Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 06/2003

Albumcover

Hattler
Mallberry Moon

Bassisten schreiben keine Songs, können keine Noten lesen und es werden erst recht keine Bands nach ihnen benannt. Jedenfalls ist es ungewöhnlich, wenn’s doch geschieht. Hellmut Hattler ist so ein Fall. Er schreibt alle Songs selbst, er kann Noten lesen und mittlerweile hat er mit dem gleichnamigen Band-Projekt schon das zweite Album herausgebracht.

Bereits in den 70ern griff Hattler als kreativer Kopf bei den Jazz-Ethno-Kraut-Rockern „Kraan“ in die Seiten. Psychedelische Endlos-Werke sorgten damals für den passenden Soundtrack zum Konsum bewusstseinserweiternder Präparate.

In den 90ern – alles viel cooler und cleaner – lockte er zusammen mit dem Trompeter Joo Kraus als „Tab Two“ Deutschlands intellektuelle Jugend auf die Tanzfläche. Jazz-Musik und elektronische Grooves, das löste dank Miles Davis und „US 3“ nicht nur auf dem amerikanischen Kontinent euphorischen Jubel aus und so wurden die beiden hierzulande schnell die bekanntesten Vertreter ihrer Zunft. Wurden. Denn auch „Tab Two“ sind Vergangenheit.

„Hattler“ heißt Hattlers neue Gegenwart. Geblieben ist sein einzigartiger Bass-Stil: Leicht, locker und unverkennbar groovend. „Mallberry Moon“ heißt sein neuer Sprössling, der zweite mittlerweile. 12 Tracks, die in keine Schublade passen, was ja sowieso viel reizvoller ist. Pop, Ambient, Jazz, Soul, Drum & Bass… dazu die konträren Stimmen der Gastsängerinnen Nkechi Mbakwe und Sandie Wollasch. Keine monotonen Elektro-Orgien, sondern runde Songs, mal ruhig und nachdenklich und dann wieder komplett tanzbar. Mit dafür Sorge getragen haben zwei seiner alten Kraan-Kollegen (Jan Fride und Ingo Bischof) und auch der Studio-Experte Uwe Jahnke (Gitarrist bei Fehlfarben) hatte seine Finger mit im Spiel.

Die erste Single-Auskopplung ist „To Bed“. Hier stehen sich die frickeligen Strophen und der hymnenartige Chorus gegenüber. Erinnert ein bisschen an „Console“, seit dieser sich eine Sängerin mit ins Boot genommen hat. Weitere Perlen sind auf jeden Fall „Silent Advice“ mit dem nervösen Breakbeat im Hintergrund, „Not What You Think“ und „Goddess Of Love“, aber einen wirklichen Favoriten auszumachen ist bei diesem Album wirklich nicht leicht, weil jedes Stück ein Unikat ist und die Musikgeschmäcker so vielfältig sind, wie die Einflüsse auf dieser Scheibe.

(Text: Dominik Jozic, Hochschulradio Düsseldorf 97.1

HOMEPAGE: www.hellmut-hattler.com / LABEL: www.bassball.net

Anspieltipps

  • To Bed
  • Mallberry Moon
  • Not What You Think
  • Silent Advice
  • No Fun

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