Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 39/2013

Albumcover

Haim
Days Are Gone

Wieder mal eine fast perfekte Bilderbuchstory: Drei Schwestern aus Los Angeles, die schon in ihrer Kindheit vom Papa ans Schlagzeug gesetzt worden sind, wagen den großen Durchbruch, sagen prompt den Arctic Monkeys aus Zeitdruck ein paar Guest-Vocals ab, sind dann bei David Letterman dann aber doch wieder ganz mädchenhaft aufgeregt (man munkelt, dass Vitaminspritzen nötig waren) und bringen nebenbei eine EP und eine Single raus. Das reichte schon aus, um das Trio als Popkonsens 2013 abzustempeln.

Das Debüt "Days Are Gone" kann die hohen Erwartungen aber erfüllen. Haim beweisen, dass es sich bei ihnen um keine Boy-Epigoninen handelt, auch wenn die Stilmittel nicht sehr konträr aussehen. Die Songs sind zwar im sehr sauberen Radioformat geschliffen, wagen aber auch wie im Titeltrack mal eher unerwartete, dezent elektronische Tendenzen. Oder zerhackte, leicht rau anmutende Kompositionen wie "My Song 5", der fast schon danach ringt, bloß kein Girlie-Image aufkommen zu lassen. "Honey, I am not your honey pie" heißt es da, irgendwie kokett.

Der Hauch R'n'B, der dem Trio oft Assoziationen mit Fleetwod Mac einbringt, hält sich unterdessen eher geschickt im Hintergrund. Im raffinierten "If I Could change your mind" beispielsweise. Auch "Go Slow" gibt sich bassdominant und "Honey & I" weiß sich ebenfalls smooth zu verpacken. Doch der Großteil des Albums schielt eher in die Richtung der zackigen Vorabsingles "Forever" und "Don't Save Me". 

Das heißt: melodisch, treibend und natürlich kurzweilig. Dabei immer das richtige Händchen für einen unaufdringlichen, aber markanten Sound, der ganz subtil den Spagat schafft zwischen 80ies, R'n'B und Indiepop. Wie schaffen sie das bloß? Das sind doch nicht allein die Vitaminspritzen. (Philipp Kressmann, CT das radio)

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Anspieltipps

Falling, #1
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If I Could Change Your Mind, #4
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Don't Save Me, #6
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Days Are Gone, #7
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The Wire, #3
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