Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 03/2007

Albumcover

Goose
Bring It On

Belgien - das sind nicht nur Pommes, Bier und Helmut Lotti. Spätestens seit dem Erfolg der Band Soulwax um die Gebrüder Dewaele steht unser kleines Nachbarland auch für Electro-Rock-Hybridsound vom Feinsten. Goose, ein Quartett aus der beschaulichen flämischen Kleinstadt Kortrijk, unterstreichen dies mit ihrem auf Skint Records erscheinenden Debütalbum "Bring it on" nachdrücklich. Dass sie vor sechs Jahren einmal als AC/DC-Coverband starteten, hört man dabei in keiner Sekunde mehr. Gleich das erste Stück "Black Gloves" macht mit knarzenden Synthies und nach vorne preschenden Gitarren unmissverständlich klar, wo dieses Album gehört werden will: Im Club, in der einen Hand ein Bier und die andere zur Faust geballt in die Höhe gestreckt!

Dabei scheinen die Grenzen zwischen Rock und Electro völlig zu verschwimmen. Sind das noch Gitarrenriffs oder einfach nur extrem verzerrte Synthies? Perfekter kann man den kategorischen Imperativ postmoderner Popmusik auch unter Riesenbaggern in ostdeutschen Braunkohletagebaugebieten nicht umsetzen. Das zu Beginn angeschlagene Tempo wird in Tracks wie der Single "British Mode" und dem zunächst in bester Manchester-Rave-Manier daherkommenden "Girl", das zum Ende hin als Dancefloor-Kracher explodiert, nur unweigerlich gedrosselt. Erst mit dem programmatischen Titel "Slow Down" wird dem Hörer eine kurze Atempause gegönnt.

Die zweite Phase des Albums läutet "Modern Vision" ein, das auf einem lupenrein deepen Housebeat basiert, der auch einer Booka Shade- oder Henrik Schwarz-Produktion gut zu Gesicht stehen würde. Langsam aber sicher entfaltet sich daraus eine hypnotisch groovende Hymne, die man so schnell nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Wenn so die Vision moderner Musik aussieht, muss uns um die Zukunft nicht bange sein!

Neben der musikalischen Vielfalt fällt auch der Variantenreichtum des Sängers Mickael Karkousse auf, dessen Stimme neben Hysterie wie in dem funky Electro-Zappelphilipp "Low Mode" auch immer wieder Platz für ruhige, ja beinahe romantische Momente bietet. Am "Safari Beach" klingt die Platte schließlich versöhnlich und relaxt aus. Perfekt zum Runterkommen an einem Sonntagmorgen nach einer hitzigen, durchtanzten Clubnacht. Was bleiben wird sind die Erinnerungen an die Hits von "Bring It On", einer Platte, die nicht nur diejenigen glücklich machen wird, denen Soulwax bisher zu störrisch und nicht tanzbar genug und Death From Above 1979 zu konventionell rockig waren. Versprochen! (Julian Jochmaring, hochschulradio düsseldorf)

VÖ: 19.01.2007

Künstler: http://www.goosemusic.com | Label: http://www.skint.net

Anspieltipps

  • 02, British Mode
  • 07, Modern Vision
  • 08, 3T4
  • 03, Girl
  • 09, Low Mode

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