Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 12/2010

Albumcover: Gonjasufi - A Sufi And A Killer

Gonjasufi
A Sufi And A Killer

Knapp 60 Minuten und 20 Songs, die auch dem wieder einmal aufmüpfig pöbelnden Leader der hippen Kifferclique gleich neben Aldi Süd lässig den Joint auspusten: Gonjasufis Debüt "A Sufi And A Killer" provoziert, fordert heraus und spaltet die Gemüter - nicht zuletzt wegen seiner Genrelosigkeit.

Man darf Warp Records in diesen Tagen durchaus freudig und dankbar in die Arme hüpfen. In Zeiten, in denen fast nur noch Bands mit Tendenz zur ermüdenden Eingängigkeit das Vergnügen haben, bei einem Label unterzukommen, gewähren die Londoner einem neuen, alles andere als verkaufsorientierten, durchgeknallten Yoga-Lehrer den Freiraum, auf Doppel-Vinyl sein gesamtes aberwitziges Programm abzuspulen. Mut, der belohnt wird, auch wenn andere schon wieder argumentieren, es handele sich hier um maximal halbfertige Songs.

Genau da liegt der Hund begraben: Die Platte quillt über vor Ideen, spielt ähnlich verraucht wie einst "Madvillainy" alle Titel nur kurz an, lässt die überdies häufig übersteuerten Skizzen wieder fallen und verwirrt darüber hinaus durch eine immense Vielfältigkeit. So stellt sich womöglich das hilflose Gefühl ein, das man sonst nur von der ersten Berührung mit einer Can-Platte kennt. Denn wenn einem zugedröhnten, krautigen Intro, das von den ganz frühen Animal Collective hätte stammen können, mit "Kobwebz" eine neblige Downtempo-Nummer, anschließend charakteristisch verzögerte Flying-Lotus-Beats und nur wenig später mit "Suzie Q" eine rostige Punknummer aus der Gosse von Los Angeles folgen (sollte man noch erwähnen, dass daraufhin fingerschnipsende Funky-Sounds von "Candylane" das Zeitlupen-Soulstück "Change" vergessen machen?), dann geht schon mal die Orientierung verloren.

Und dennoch ist der rote Faden ohne jeden Zweifel erkennbar, weil Sumach Ecks aka Gonjasufi seine erfreulich unvollkommene, charakteristische Stimme nutzt, um die einzelnen - in der Regel von Gaslamp Killer produzierten - Tracks zusammenzuhalten und ihnen trotz ihrer Diversität eine gewisse Homogenität zu verleihen: Eine großporige Mischung waits’scher Trunkenheit und rauer Waldschrat-Attitüde, die den Songs etwas Mythisches und Unheimliches verleiht.

Nur ein übergeordnetes Genre sucht man weiter vergebens. Ist aber auch egal, denn das entspannte, zufriedene Grinsen will einem nicht erst nach dem welthitverdächtigen "She Gone" samt seinem so nicht für möglich gehaltenen "Whooo" oder dem unverschämt groovenden "Kowboyz & Indians" für mehr als eine Joint-Länge nicht mehr aus dem Gesicht weichen. Eingängig sind eh nur vereinzelte Momente, der Rest von „Sufi And A Killer“ ein Triumpfzug des Experiments. Verzerrte Gitarren, zerschredderte Gesänge, musikalische Dornen – selbst eine Singleauskopplung wie das famose „Kobwebz“ beweist nur, dass die Gonjasufi-Welt in bejammernswertem Zustand ist. Wichtige Bausteine des konservativen Musikverständnisses fehlen, die anderen sind brüchig. Es wimmelt hier nur vor blöden Geräuschen, schwachsinnigen Beats oder verbogenen Schlagzeugrhythmen. Ein herrlich kopfloser, von allem befreiter Trümmerhaufen Musik. (Pascal Weiß & Markus Wiludda / eldoradio*)

VÖ: 12.03.2010

Künstler: www.myspace.com | Label: www.warp.net

Anspieltipps

  • Kowboys & Indians
  • She's Gone
  • Ancestors
  • Sheep
  • DedNd

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