Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 21/2006

Albumcover

Gnarls Barkley
St. Elsewhere

Regen prasselt auf den Bürgersteig der menschenleeren Straße. Ich zünde mir eine Zigarette an und schlage meinen Mantelkragen hoch. Dieser Fall scheint der schwierigste meiner Karriere zu werden. Als der Kunde meine Detektei betrat und mir den Auftrag gab mehr über Gnarls Barkley rauszufinden, sah der Fall nach einem Kinderspiel aus. Mein erster Anhaltspunkt war die Tatsache, dass die Debütsingle „Crazy“ bereits seit sieben Wochen Platz 1 in den englischen Single-Charts belegt. Bei der Befragung des Zeugens Clinton Jacks (einem Koch) bekam ich Abenteuerliches zu hören. Der Verdächtige saß in Begleitung des Produzenten Dangermouse und des Sängers Cee-Lo Green im Restaurant. Während die beiden nach einer Weile verschwanden, blieb der Verdächtige sitzen und trank Unmengen Kaffee. Als Clinton Jacks kurz zur Toilette war, verschwand der Verdächtige, hinterließ 500 Dollar Trinkgeld und einen Zettel mit der Aufschrift: „Komplimente an den Chef. Gnarls Barkley.“

Verwirrt verfolge ich die zweite heiße Spur und nehme den Produzenten Dangermouse und den Sänger Cee-Lo Green unter die Lupe. Dangermouse heißt mit bürgerlichen Namen Brian Burton und hat in der Vergangenheit solch illustre Künstler wie Jay-Z und die Gorillaz produziert. Er gibt zu dass er auf St. Elsewhere mitgeholfen hat, kann mir aber nichts zu Gnarls Barkley sagen. Er könnte aus South Carolina stammen, aber genauso in Europa zu finden sein.

Cee-Lo Green alias Thomas Calloway, Mitglied von Goodie Mob und Solokünstler, antwortet mir ähnlich ausweichend. Ja, er hat einige Songs auf diesem Album gesungen, aber er sei nicht Gnarls. Eine kleine Information bekomme ich aber doch noch, beiläufig erfahre ich dass Gnarls bei Cee-Lo noch 35 Dollar Schulden hat. Ein interessanter Mann dieser Mr. Barkley, schenkt einem Koch 500 Dollar und schuldet einem Sänger noch 35 Dollar.

Frustriert kehre ich zurück in mein Büro, lege die Füße auf den Tisch und zünde mir eine Zigarette an. Ich muß meinem Kunden wohl klarmachen, dass ich keine Ahnung habe wer dieser Gnarls Barkley ist. Aber halt eine Hoffnung besteht noch. Ich werfe „St. Elsewhere“ das Debütalbum dieses Phantoms in den Player. Vielleicht helfen mir ja die 14 Songs auf die Sprünge. 37 Minuten tauche ich in die Welt des Gnarls Barkley ein und erinnern mich an den Musikjournalisten der mir sagte, dass er es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat diesen Mann zu finden.

Nachdem das Album zu Ende ist, lehne ich mich zufrieden zurück, blase Rauch in die Luft und rufe meinen Kunden an. Als er am anderen Ende abnimmt, sage ich: ´Sie wollten doch wissen wer Gnarls Barkley ist. Ich habe die Antwort: „Er ist sie, er ist ich und er ist jeder andere Mensch da draußen. Wir alle sind Gnarls, jeder einzelne von uns“. Mein Kunde ist fassungslos, ich lege auf, lehne mich nach hinten und höre das Album erneut. Ich muss ihn gar nicht mehr finden, in den leider sehr kurzen 37 Minuten, sitzt er vor mir und beschert mir das interessanteste Debütalbum dieses noch recht jungen Jahres - zwischen Funk, Soul und Elektroklängen. Seien sie sich sicher, ich kenne ihn und ich weiß genau wie er aussieht. Sein Gesang gräbt sich in meine Seele und seine Musik betört meine Ohren. Zeit, Feierabend zu machen, ich packe die CD ein, und schließe mein Büro ab. Draußen hat es aufgehört zu regnen und als ich auf die Strasse trete, sehe ich Gnarls Barkley. ÜBERALL!!! (Katrin Jungmann, CT das radio)

Künstler: http://www.gnarlsbarkley.com | Label: http://www.warnermusic.de

Anspieltipps

  • Crazy, 2
  • Gone Daddy Gone, 4
  • The Boogie Monster, 6
  • Just A Thought, 8
  • Necromancer, 12

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