Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 42/2007

Albumcover

Gebrüder Teichmann
The Number Of The Beat

In acht Jahren kann man viel erreichen. Zum Beispiel eine Ausbildung machen, sein Abitur nachholen und anfangen zu studieren. Man kann aber auch - wie im Fall der Gebrüder Teichmann - acht Jahre in die Arbeit an einem Album stecken. Solange hat es gedauert, bis "The Number Of The Beat" das Licht der Welt erblicken durfte. "The Number.." was? Gab´s da nicht mal? Ja genau! Allerdings hieß die Gruppe Iron Maiden und ihr Album "The Number Of The BeaSt". Iron Maiden sind allerdings in keinerlei Art und Weise auch nur im Ansatz als Referenz für die Gebrüder Teichmann zu verstehen oder hinzu zu ziehen. Das was hier passiert ist elektronisch und ... anders. Nicht unbedingt neu - was das elektronische musizieren betrifft - sondern einfach... anders. Was soll ich sagen? "The Number of the Beat" will, dass du dich mit ihm beschäftigst. Du sollst genau hinhören, dich einlullen lassen um dann von seinen vielfältigen Facetten überrascht zu werden.

"The Number Of The Beat" ist kein typisches "Ich geh in die Disco und zappel jetzt mal so richtig ab"-Album, obwohl Tracks wie "Dance And More" oder "Karacho" mit ihren dumpfen stampfenden Beats und dem grollenden, brummenden und brabbelnden Bass geradezu prädestiniert dafür sind, die Beine in die Hand zu nehmen und den Tanzboden durchzuschütteln. Doch alles in allem ist es ein minimalistisch-frickeliges Album mit vielen kleinen Details. Der erste Song - der eigentlich keiner ist - eröffnet das Album mit dem sonoren klacken eines Metronoms und ehe man sich versieht ist man schon im ersten "richtigen" Track ("Un Bug") der stark an einen kleinen gelben Plüsch-Typen mit Namen Flat Eric erinnert. Darauf folgt wieder ein kurzer Soundschnipsel - diesmal denkt man zuerst unweigerlich an ein sich einwählendes Modem (vielleicht ist es ja auch eines). Dieses Spielchen zieht sich das ganze Album hindurch: Track - Schnipsel - Track usw. Ganze 21 Titel lang.
Das musikalische Gerüst der Songs ist - as simple as can be - eigentlich immer dasselbe: Hier ein Beat, beziehungsweise eine Beatfolge, die den Song mal schnell und dynamisch macht, oder mal das Tempo verschleppt und den Hörer verschnaufen lässt. Dazu gibt’s hier und da ein bisschen (oder auch mal etwas mehr) Synthie, dort noch ein wenig tz tz tz und ab und an ein wenig Bass. Gesungen wird übrigens auf "The Number Of The Beat" auch. Man hat sich für die vokale Inszenierung die französische Chanteuse Alice Clement ins Studio geholt um "Un Bug" und "Minimal Scheissegal" ein Gesicht samt Stimme zu verleihen. Die Vocals passen den Songs (besonders "Minimal Scheissegal" mit dem entzückenden französischen Akzent) extrem gut und lockern die ganze Geschichte ein wenig auf und verleihen den Tracks einen angenehmen Pop-Appeal, weit ab vom Mainstream. Ein weiterer Song mit Stimme ist "Romy", der von Martin Haygis (einem ehemaligen Weggefährten der beiden Brüder aus beigeGT Zeiten) gesungen wird und die gute Romy Schneider - die wir alle so in den Sissi-Filmen vergöttert (oder verflucht) haben - mehr oder weniger ins Zentrum des Geschehens rückt.

Am Ende des Albums lassen die Gebrüder stilecht das Vinyl ausknistern. Mit der Gewissheit, dass die „606“ „The Number Of The Beat“ ist und die Gebrüder Teichmann mit eben dieser Nummer ein gutes, streckenweise schlichtes Elektro Album vorgelegt haben, dass an manchen Stellen doch leider etwas eintönig, langatmig und verfahren wirkt. Bei Songlängen von über sechs Minuten ist eben ab und zu ein bisschen weniger doch so einiges mehr. (Steffen Lehmann, Radio Q)

VÖ 05.10.2007

Künstler: http://www.myspace.com/teichmann | Label: http://www.diskob.com

Anspieltipps

  • #08 Minimal Scheissegal
  • #14 Whateverman
  • #10 Nick
  • #16 Romy
  • #02 Un Bug

Hier könnt Ihr Gebrüder Teichmann: The Number Of The Beat - Silberling der Woche 42/2007 sofort bestellen: amazon.de

Archiv aller Silberlinge

radiobar