Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 24/2010

Albumcover

Gayngs
Relayted

Die Summe der einzelnen Teile: In der letzten Zeit hört man häufig die Bezeichnung Supergroup, ein Zusammenschluss bekannter Musiker, die neue Konstellationen erproben und mit Leben füllen. Die bekanntesten Vertreter sind sicherlich Them Crooked Vultures und The Dead Weather. Doch auch abseits der großen Namen, die eine unfassbare mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen, hat sich auch eine andere Band zusammengefunden, die diese Bezeichnung verdient.
 
Alles Begann damit, dass der in Minneapolis ansässige Produzent Ryan Olson zusammen mit Zack Coulter und Adam Hurlburt von Solid Gold zusammen Musik machen wollte. In Anlehnung an den Hit „I’m Not In Love“ von 10cc sollten keyboardlastige Songs entstehen, die einen mit auf eine Zeitreise zurück in die 70er und, vor allem, 80er nehmen. Schnell sprach sich dieses Projekt rum und aus drei Mitgliedern wurden ganz schnell deren 24. Sie entstammen dabei ganz unterschiedlichen musikalischen Genres. Indie-Musiker sind ebenso vertreten wie Rapper („P.O.S.), Psycho-Rocker, Singer/Songwriter („Bon Iver“) und Jazz-Musiker. Alle zusammen widmeten sich von nun an dem Projekt Gayngs.
 
Dabei ist es eigentlich unwichtig, wer hinter den Songs steckt, vielmehr entscheidet die Qualität der Musik darüber, wie gut ein Album ist. Und dieses ist sehr gut, weil man ihm nicht anmerkt, mit wie vielen Köpfen und Fingern es zusammengeschustert wurde. Es ist, als würde die Kaufhaus-Muzak der 80er eine angenehme Aktualisierung erfahren: Synthie-Sound trifft auf souligen Gesang; entspannende Bass-Linien harmonieren mit dezenten Samples und Beats. Man merkt der Band die Orientierung an 10cc deutlich an – „Cry“ wurde sogar per Coverversion gehuldigt. Mehr Retro-Indie geht eigentlich kaum, wobei Mischung so auch momentan nicht existiert? Wo gibt es schon schamlose Porno-Saxophone oder Mellotron-Pop (jaja! Chris De Burgh), ohne dass es peinlich wird? Die chorartigen Gesänge schaffen eine Atmosphäre, die jenseits aktueller musikalischer Trends liegt. Mit fließenden Synthieflächen und soft-erotischen Stimmen, die sich wie ein Schwall Nivea von Innen über die Songs ergießen. Ätherisch und spirituell geht es da zu, aber auch episch, intim und gar nicht so kitschig, wie die Summe der einzelnen schrecklichen Details wohl vermuten lassen würde. Vielmehr sind die Keyboards, Saxophone, Hard Rock-Gitarren und andere Schrecklichkeiten derart dezent in einen lupenreinen Indiepop-Entwurf gebettet, dass man nur ehrfurchtsvoll den imaginären Hut ziehen kann. Kaum ein Song bleibt trotz absoluter Unaufdringlichkeit in Gefilden der Beliebigkeit stecken. „No Sweat“ entdeckt den Soul, „The Beatdown“ das Hippietum und irgendwo dazwischen sind ganz gewiss noch Reggae-Bassläufe, Porno-Funk und Space-Synthies versteckt.

Es wäre jetzt verkehrt anzufangen herauszuarbeiten, welcher Song denn am meisten überzeugen kann. Vielmehr sollte "Relayted" als Gesamtkunstwerk angesehen werden. Alles ist im Fluss, jede Melodie, jeder Song fügt sich ein und wird an den folgenden Song gedockt. Das Album ist beruhigend, was daran liegt, dass jeder Song mit annähernd 69 Beats per Minute aufgenommen wurde. Dadurch wirken die Songs zum Teil fast ein wenig zu behäbig für den heutigen Musikhörer. Man merkt Gayngs die liebe zum Detail an. Es klingt so, als wäre an jedem Sample und jedem Beat genau gefeilt wurden, bis er sich in das Konstrukt einfügt. Dadurch wirken die Songs beinahe ein wenig überproduziert. Einige Ecken und Kanten hätten sicherlich gut getan. Doch auch so ist Relayted sicherlich ein Album, das überzeugen kann. Die imGrundton erstaunlich große Variabilität befreit “Relayted” zudem von jeglicher Kurzlebigkeit. Ein schnelles Vorbeihorchen wird dem Werk nicht gerecht – wer jedoch etwas Muße und Zeit investiert, wird mit einem wunderbaren, zu fast jeglicher Gelegenheit passenden Aufnahme belohnt. (Michael Savic, CT das Radio)

Links: Band | Label

 

Anspieltipps

  • Faded High
  • Ride
  • Crystal Rope
  • No Sweat
  • Cry

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