Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 02/2004

Albumcover

Freeland
Now And Them

„Your Pills, Your Grass, Your Tits, Your Ass, Your Laughs, Your Balls, We Want It All“ –diese Zeile könnte aus der Anfangssequenz von “Trainspotting” stammen. Oder aus einem Orwell´schen Albtraum.
Tut sie aber nicht. Vielmehr eröffnet sie das Debütalbum von Freeland „Now & Them“. Diese Platte ist ein wenig mehr, als es den oberflächlichen Anschein hat. Sozialkritische und konsumkritische Parolen nebst politischen Anspielungen. Nicht blind entgegengeschleudert, sondern provozierend und geschickt integriert entarnen sie Markenfetischismus, Konsumirrsinn und zweifelhafte politische Strategien. Themen, die neuerdings in der Punkrock-Szene wieder erstarken, bisher auf dem Dancefloor aber Zugangsverbot hatten. Spaß rules? Freeland sehen das ein wenig anders. Beim Abtanzen kann man dort noch was lernen. Beim oben angesprochenen Opener handelt es sich gleichzeitig um die erste Single „We Want Your Soul“, die nach ihrem sensationellen Undergrounderfolg nun auch erfolgreich oberirdisch charten sollte. Doch auf die Unterstützung vieler Radiostationen und Fernsehkanäle muss das britische Projekt verzichten: Unter anderen lehnte auch MTV aufgrund zu provokanter Texte ab. Für „Mind Killer“ sieht es auch nicht besser aus. Laut Adam Freeland geht es darum, das unsere Kultur unsere Ängste nutzt, um uns „unten zu halten, uns zu kontrollieren und zu konditionieren –sei es durch Terrorismus, SARS oder Pädophilie“. Angst als komatöses und zerstörerisches Betäubungsmittel. Eine heikle und absolut polarisierende These unter vielen, die sicher nicht Jedermanns Zustimmung finden wird.
Musikalisch geht es genau so impulsiv und verquert zur Sache.
Das Projekt aus Brighton kreuzt Big- und Breakbeat mit Soul, HipHop, Electronica und TripHop. Besonders „We Want Your Soul“ und das grandiose, soul-touchierte „Supernatural Thing“ beeindrucken durch ihre fetten Bässe und gekonnten Sound-Verflechtungen. Eine Mischung, die im ersten Teil abwechslungsreich und spannend als Wanderer zwischen den Genrewelten daher kommt, die nahe Verwandtschaft von HipHop und Elektronik offensichtlich macht, ab dem achten Track dann aber etwas verflacht. Die Liveshows des Projekts um Mastermind Adam Freeland überraschen in ihrem Set mit Gitarren, Bass, echter Percussioneinheit und einer visuellen Umsetzung der Songs.
Dennoch dürfte diese Platte auch jene Menschen erreichen, die sich moderner Tanzmusik bislang verweigert haben.
„Now And Them“ ist ein aufwühlendes Kapitel leidenschaftlich emotionaler und kritischer Clubmusik, die sich ihrer Tragweite bewusst ist und beweist, dass elektronische Musik keineswegs steril klingen muss.
(Markus Wiludda, eldoradio*)

Anspieltipps

  • We Want Your Soul #1
  • Reality 3-D #8
  • Heel ´n´ Toe #5
  • Mind Killer #2
  • Supernatural Thing #7

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