Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 48/2010

Albumcover

Freelance Whales
Weathervanes

Judah Dadone wäre sicherlich auch ein ideenreicher Kinderbuchautor geworden, hätte er sich nicht vor gut zwei Jahren dazu entschieden, seine Geschichte in  Songs zu verpacken und mit den Freelance Whales erfolgreich zu werden. Der Ansatz ist dabei recht simpel : Niedliche Geschichten, rübezahlgroße Melodien und eine musikalische Mischung, die hinlänglich seit Death Cab For Cutie, Postal Service und Owl City bekannt ist.

„Weathervanes“ klingt dabei jugendlich, aber nie unbeholfen. Diese Jungs sind cleverer als es zunächst den Anschein hat. Das fängt beim kalkulierten Erfolgsfaktor an, das endet mit einem sympathischen Ansatz, das Debüt als Konzeptalbum zu gestalten und eine Liebesgeschichte zwischen einem Jungen und einem Geistermädchen zu erzählen. Eine Geschichte, die gut in diese Zeit passt – schließlich ist die Wirkkraft von „Twilight“ und ähnlichen fantastischen Verschränkungen zwischen Realität und Anderswelt weiterhin ungebrochen.

Musikalisch überzeugt vor allem die erste Hälfte. Jonah singt mit einer Stimme irgendwo zwischen Ben Gibbard und dem Typen von Passion Pit über streckenweise verspielter Musik, die in den einzelnen Stücken immer zwischen Pop und Indietronic schwankt und immer wieder mit kleinen Überraschungen aufwartet: Banjos, Synthesizer, Gießkannen, Akkordeon und vor allem viel Glockenspiel. Sehr viel Glockenspiel. Die Melodien sind griffig und gleich beim ersten Hören höchst eingängig und die Harmonien immer freundlich, was auch die Twitter-Erfinder dazu veranlasst hat, „Generator 1st Floor“ als Song für den großen Relaunch Mitte des Jahres auszuwählen. Kann nicht so falsch sein bei so viel unbeschwerter Atmosphäre, die nur ganz selten in den Songs von einer subtilen Traurigkeit übermannt wird und dann an eine Liebe erinnert, die zunächst voller Begeisterung steckt, einen anzieht, aber später doch mit einem Hauch von Verzweiflung entmutigt. „So I‘ve arranged for you phobias to be performed by a string quartett.“, singen sie beispielsweise in „Kilojoules“, einem ihrer tanzbaren Songs auf „Weathervanes“.

Mit „Generator (First Floor)“ eröffnet die Platte allerdings etwas langsamer. Untermalt von einer bezaubernden Harmonie und Backgroundchören wird der Erstkontakt zum Geistermädchen hergestellt. „Hannah“ heißt es, wie wir in Song zwei erfahren, als das Album etwas an Schwung gewinnt. „Location“ beginnt mit lockerem Gestampfe, entwickelt sich aber zu einer wahren Indiepop-Hymne. Bei „Starring“ setzen sie auf Laptop-Beats und Synthesizer, was durchaus aus Owl City erinnert und dennoch ein Höhepunkt des Album ist. Mit „Broken Horse“, „We could be Freinds“ und das einfach fantastische „Generator (Second Floor)“ gibt es noch ein paar dieser einfachen, aber wirkungsvollen Songs – nebst ein paar oberflächlichen und nichtigen.

Vielleicht wäre „Weathervanes“ mit etwas weniger Melodien besser ausgekommen, aber nichtsdestotrotz ist dieses Werk ein gelungenes Debüt, das reifer klingt als so manch anderes Erstlingswerk. Die Geschichte ist sicherlich nicht wirklich tiefgründig, springt aber euphorisch zwischen kindlich-sehsüchtig und aufgeweckt-leidenschaftlich, so dass man hier über 45 Minuten guten Gewissens mitsingen darf. (Max Scharff, Triquency | mw)

Links: Homepage

Anspieltipps

Starring, #5
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Kilojoules, #6
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We Could Be Friends, #10
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Generator 2nd Floor, #12
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Hannah, #2
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