Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 13/2012

Albumcover

Frankie Rose
Interstellar

Die anderen haben Gitarren und Mikros, Frankie Rose immer nur das Schlagzeug. Und das ständig zu tragen und auf- und abzubauen geht auf Dauer auf den Rücken und vor allem: auf die Nerven. So sehr Frankie es auch bei den Dum Dum Girls und den Vivian Girls mochte, war irgendwann klar: "But honestly I was just sick of the drums. I was just like, I can't play drums anymore". Zeit, sich ans eigene Debüt zu setzen, das auch gleich den Indierock-Klang hinter sich lässt. Auf „Interstellar“ gibt es keine verschrammten 60er-Jahre-Sounds mehr, alles klingt zeitgemäß elektronisch, verhallt und elegant-düster. 

Der Opener sorgt durch plötzliches aus Trommeln und hymnische Synthesizer-Blitze für die ersten Überraschungen, doch insgesamt ist das Album wie aus einem Stein geschliffen: Verhallt und wavig geht es zu, Schlagwerk und Gitarren orientieren sich am 80er-Jahre-Sound, der momentan besonders im Campusradio-Sektor einen regelrechten Trend markiert. Die helle Nummer "Daylight Sky" präsentiert sich in einem leicht vibrierenden Synthesizer-Gewand und wird von einem subtilen, aber dennoch sehr präsenten, Bass umschlungen. Nicht nur zufällig erinnert "Gospel/Grace" mit seiner Leichtigkeit und Unbeschwertheit ein wenig an fröhliche Cure-Song: Die Eingängigkeit der Gitarrenlinien und die Schichtung der Klänge sind zeitlos und bewährt. Bei der ersten Singleauskopplung "Know Me" flattert eine helle Gitarre im Hintergrund umher, die fast schon nach Johnny Marrs poppigsten Smiths-Kompositionen klingt, auch wenn es hier nicht so temporeich musiziert wird. Eine kleine Zeitreise, die aber an keiner Nostalgie zerbricht.

Das ist auch vor allem Frankies sanfter Stimme zu verdanken. Sie drängt sich nicht auf, obwohl sie eine ganz eigene Note hat. Recht häufig findet sich zudem ein mehrstimmiger Singsang, der die Eingängigkeit der Songs noch einmal zusätzlich akzentuiert. Nicht, dass die Songs es nötig hätten: der simple Gitarrenpop geht ohnehin schon schnell ins Ohr. Die clever arrangierte Dreampop-Ballade "Pair of Wings" ist da das beste Beispiel. Ausladend und gleichzeitig intim heißt es da: "Show me your scars, I´ll show you mine“. Nicht ganz so süßlich, aber ebenso verträumt tändelt "Apples for the Sun" nach knapp drei Minuten langsam aus, um sich dann aber noch einmal zu entschließen, die nebulöse Klavierpassage eine Minute weiterzuspinnen. So ganz ohne Rumpeschlagzeug schafft es das Album, in einen mystischen Fluss zu geraten. Dabei bleibt es dem Hörer immer vertraut. So gerät auch „The Fall“ zum perfekten Lullaby: Geschmeidiger Hall und feinster Schlafzimmer-Gesang versetzen den Hörer langsam aber sicher in das Land der Träume. Und falls man dabei dann wirklich eingeschlafen sein sollte, ärgert man sich beim Aufwachen, diese Nummer nicht voll ausgekostet zu haben.

Frankie Rose hat eine tadellose und vor allem selbstsichere Popscheibe gemacht. "Interstellar" ist ein durchgängig sympathisches, eingängiges und auch kurzweiliges Popalbum, der perfekte Soundtrack für nächtliche Autofahrten mit offenem Fenster. Das Album ist eine Notwendigkeit, für Frankie - und für uns: „I hear what they said, It doesn't hurt me I rather be deaf", singt sie auf "Know Me." Es wurde eben Zeit für das eigene Ding, nicht zuletzt, weil Dum-Dum-Girls-Anführerin Kristin Gundred scheinbar ganz andere Vorstellungen von Popmusik hat: Während ihre Band nach Mädchen klingen soll, die mit den Ramones ausgegangen sind, hat man das Gefühl, dass Frankie Rose darauf eigentlich gar keine Lust mehr drauf hat. „Interstellar“ ist vielseitiger und moderner. Und letztlich auch besser für den Rücken. (Philipp Kressmann, CT das radio)

VÖ: 23.03.

Links: Homepage | Facebook | Label

 

Anspieltipps

Interstellar
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Had We Had It
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Know Me
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Daylight Sky
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Gospel Grace
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