Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 03/2013

Albumcover

Foxygen
We Are The 21st Century Ambassadors of Peace and Magic

Was letztes Jahr hierzulande Stabil Elite gemacht haben, fabrizieren Foxygen derzeit in den Staaten: eine bedeutende Ära aus der musikalischen Vergangenheit des Landes rekapitulieren und dabei immer die offene Frage subtil mitschleifen lassen, ob es damals wirklich haargenau so klang. Bei Foxygen sieht das konkret so aus: Vier Charmebolzen aus New York sind mit ihrem Debüt ganz nah am Hippiesound und machen wirklich kein Geheimnis daraus:  Der versierte Retroexperte Richard Swift hat produziert; im Video zu "San Francisco" wimmelt es nur so von 60er Ästhethik. 

Als sei das der Anti-Kriegs-Symbolik noch nicht genug, soll es auf "We Are The 21st Century Ambassadors of Peace and Magic" - wie der Titel gewissermassen verrät - um Friedensbotschaften aus der Galaxis gehen. Das Hippieetikett passt. Singalongs und präsente Chorusse stehen musikalisch dafür ein. "San Francisco" leiert, als ob eine echte Jukebox angeschmissen wurde, das instrumentale "Bowling Trophies" klingt durch Klaviergeklimper und dudeligem Riff verschlungen schräg und das Finale der ganzen Vorführung, "Oh no 2", präsentiert sich als schwammiges, psychedelisches Midtempostück, das dann doch noch zu einer vom Piano getragenen Ballade wird, die dem Albumtitel gerecht wird: "If you believe in love, everything you see is love." Selbstredend: wahnsinnig realitätsfern und doch irgendwie berührend. 

Doch so unschuldig und voller Naivität können die Knaben nicht sein. "You need someone who sells pot" heißt es zum einen in "No Destruction" und man meint, dass hier nicht nur musikalisch Velvet Underground gehuldigt wird. Wahren Herzschmerz erleidet hier eigentlich niemand: "I left my love in San Francisco /
That's okay, I was bored anyway." Wirklich nostalgisch ist das nicht. Die Jungs geben sich kindlich, doch dahinter steckt neben Nonsense-Jokes auch immer eine bissige Dosis Witz. 

Alleine deswegen ist "We Are The 21st Century Ambassadors of Peace and Magic" ein spannendes Stück Pop. Musikalisch reicht der Retrosticker nicht aus: Teilweise klingen die Stücke sehr frisch, nur das Titelstück wirkt durchaus ungeschliffen. Insgesamt klingt das Album angenehm warm und besticht durch Melodik. Ob die nun retro ist oder nicht, ist einem am Ende egal. Sowieso: "Nicht Retro, sondern Stil" - so steht es auch auf den Flyern von Stabil Elite. (Philipp Kressmann, CT das radio)

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Anspieltipps

In The Darkness, #1
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No Destruction, #2
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San Francisco, #4
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Shuggie, #6
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Oh Yeah, #7
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