Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 32/2008

Albumcover

Fleet Foxes
Fleet Foxes

Bären, Pferde, Füchse - selbst der bekennende Zoologie-Legastheniker, der Biologie bereits nach der neunten Klasse abgewählt hat, erkennt auf den ersten Blick: Zwischen diesen drei Tieren gibt es mehr Gemeinsamkeiten als Vierbeinigkeit und mehr oder weniger pelzige Behaarung. Als Figuren in Sagen und Märchen begleiten sie uns seit ewigen Zeiten, als Wappentiere benutzen wir ihre allegorische Symbolkraft noch heute. Zumindest in Berlin, Niedersachsen und Schwäbisch Hall.

Und in der Popmusik? Der gemeine Indienerd von nebenan weiß sofort: Grizzly Bear, Band of Horses. An diesen beiden Bands kam in den letzten beiden Jahren niemand vorbei, der auf spröde-melancholischen Folkrock steht und heimlich von der einsamen Holzfällerhütte im tiefsten Nebraska träumt. Zoologie-Legasthenie hin oder her. Füchse waren den meisten bis jetzt aber wohl eher als Wüsten- oder Sparfüchse bekannt. Direkt aus der Hauptstadt aller Karohemden-Träger, aus Seattle kommen nun die Fleet Foxes mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum. Ob "fleet" nun martialisch für Flotte steht, oder hier doch eher das Adjektiv "flüchtig" gemeint ist, bleibt wohl bis auf weiteres das Geheimnis des Quartetts um Sänger Robin Peckhold. Passen würde zu dem minimalistisch-hippiesken Folkpop der Fleet Foxes weder das eine noch das andere. Kriegerische Assoziationen werden schon beim Anblick von Peckhold Jesus-Bart im Keim erstickt und mit ihrer erdigen Introvertiertheit sind die Fleet Foxes wohl so etwas wie die Antithese zu Flüchtigkeit und kurzlebigen NME-Hypes überhaupt.

Dass ihr Hauptinspirationsquell dabei im elterlichen Plattenschrank zu suchen ist, verleugnet das Quintett aus Washington dabei keine Sekunde. Schon im Opener "Sun It Rises" werden Referenzen wie die Byrds, Simon & Garfunkel und die Beach Boys deutlich. Zu sanften Akustikgitarrenund psychedelischem Choralgesang geht die Sonne auf und im Laufe der folgenden zehn Songperlen auch nicht wieder unter. Den einzigen Kritikpunkt findet man gleich beim Blick auf die Tracklist. Von der im Frühjahr diesen Jahres erschienen Sun Giant EP hat es kein einziges Stück auf das Album geschafft. Es spricht zwar einerseits für die Qualität der Fleet Foxes auf Songs wie "English House" oder "Mykonos", die andere Bands in zwanzig Jahren nicht schreiben, verzichten zu können, dennoch hätten gerade diese dem Album in der manchmal etwas beschaulich geratenen zweiten Hälfte frischen Wind einhauchen können.

Einzelne Höhepunkte aufzuzählen ist fast unmöglich. Man muss sich nicht weit aus dem Fenster lehnen, um zu behaupten, dass den Fleet Foxes in punkto Homogenität und Durchhörbarkeit in diesem Jahr niemand mehr den Titel "Album des Jahres" streitig macht. Taucht man jedoch tief genug hinab, so offenbaren sich doch noch erhabene Perlen im Klang-Korallenriff, die noch schöner glänzen als es ihre Nachbarn schon tun, wie "He Doesn´t Know Why", dass sich in barocker Theatralik auf einen beinahe Cage´schen Moment der völligen Stille hin steigert, um dann in einem zarten Pianosolo zu zerfließen.

Es sind Momente wie dieser oder das herzzereißende Accapella zum Ende von "Oliver James", die die Songs vor dem Sterben in allzu perfekter Schönheit bewahren und das Album auch noch beim x-ten Durchlauf spannend bleiben lassen. Und stellen sicher, dass der Fuchs in Zukunft nicht mehr nur bei Bausparern als ganz besonderes Tier gilt. Fehlt eigentlich nur noch ein Hase. Doch dem wird vorerst nur gute Nacht gesagt, bevor das Kaminfeuer in der einsamen Holzfällerhütte in den Bergen Nebraskas langsam verglüht.

Anspieltipps

  • White Winter Hymnal, Track 2
  • Ragged Wood, Track 3
  • The Protector, Track 8
  • He Doesn´t Know Why, Track 6
  • Oliver James, Track 11

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