Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 24/2005

Albumcover

Final Fantasy
Has A Good Home

Wie? Was? Haben wieder viel zu viele, eng an eng gestapelte Japaner für den mittlerweile 4000. Teil des Kultgamesum ihr Leben animiert? Nein keine Bange, liebe Menschenrechtsaktivisten allerorts, die Plakate noch nicht entstauben, und auch unsere letzten Wirtschaftsunternehmen können noch einmal aufatmen. Keine weiteren Vorboten der marktwirtschaftlichen Invasion fernost für diese Woche.

Die Kanadier kommen. Genauer gesagt - einer: Owen Pallett! Unter dem Namen „Final Fantasy“ veröffentlicht er in diesen Tagen sein erstes Soloalbum mit dem wohlklingenden Titel „Has A Good Home“. Nur wer ist der gute Owen?
Eigentlich, nur der vielleicht beste Geigenvirtuose der Popmusik den Kanada zurzeit zu bieten hat. Wenig verwunderlich ist damit auch, dass er bei so ziemlich allen Bands des immergrünen Ahornstaats, die in der jüngsten Vergangenheit auf sich aufmerksam gemacht haben, die erste Geige spielte. Sei es nun in der politischen Gay-Trash-Combo um die "Hidden Cameras", den „Les Mouches“ oder zuletzt beim beeindruckenden Erstling von "Arcade Fire".

Den nötigen Freiraum für seinen Klangkosmos schafft er sich paradoxerweise eben dadurch, dass er sich klar auf das angesprochene Kult - Videospiel bezieht. Dessen einzigartige Verknüpfung aus Dramen und Kampf, dem Kapitalismus und dem traditionellem Japan sieht Pallett auf kongeniale Weise zu einem greifbaren Ganzen verwoben. Ein ebenso differenziertes Einflussgeflecht legt Pallett mit seinem beeindruckenden Debüt vor. Er harmoniert dabei komplementäre Strömungen, wie Opulenz in der Schlichtheit oder Spannung inmitten vollkommener Entspanntheit.
Als Beispiel zur Verdeutlichung derlei schizophren erscheinender Stimmungen, darf hier das wundervolle „This Is The Dream Of Win & Regine“ dienen. Minimalistisch umspielt er das voranpreschende, aber dennoch verhalten-elektronische Hauptmotiv und setzt mit der Geige nur bedachte, stets unvermittelt vertraut gezupfte Akzente.

Owen singt dabei so glockenhell und sanft, dass man sich doch gleich gemütlich neben ihn kuscheln möchte und sich wie von selbst fallen lässt. In diesem sprichwörtlich fantastischen Zustand zwischen Traum und gespannter Aufmerksamkeit, bereit jede Gefühlnuance zu inhalieren, ist der geneigte Hörer plötzlich ganz bei sich.
Maestro Pallett bläst, zupft und fiedelt einen lebendig bunten Kosmos herauf und macht aus seinem Publikum Kolumbusse. Da werden verschrobene, teilweise verschachtelte Klänge zu kleinen Abenteuern am Wegesrand, die es genauer zu betrachten gilt. „The Chronicles Of Sarnia“ zum Beispiel kommt zunächst unscheinbar daher, entpuppt sich aber in seiner Simplizität letztlich zu einem kleinen Opus, dessen verdichtete Arrangements unter den Füßen filigrane Ranken schlagen. Spätestens jetzt ist die Logik irgendwo auf ihrem Weg zu folgen falsch abgebogen. Gut so!

Liebevoll wachgerüttelt werden wir erst wieder gegen Ende auf sein eindringliches Bitten hin. Im ungewöhnlich poppigen „Please Please Please“, läutet er durch ein unorthodoxes an Break-Beats erinnerndes Streicherspiel langsam das Ende des doch so wundervollen Abenteuers ein.

Was bleibt?…

Nun, Pallett hinterlässt ein entspannt - zufriedenes Schmunzeln. Viel wichtiger jedoch, er verrät uns ein kleines Geheimnis und erschafft damit ein Heim. Einen Zufluchtspunkt, der voller Leben, Endeckung und Versuchung steckt, …eine Fantasie. Ganz egal wie es nun um die eigene bestellt ist, zwei Dinge wissen wir jetzt genau darüber. Erstens: Sie bewohnt ein schön eingerichtetes Zuhause und hat nichts gegen gelegentliche Besuche. Zweitens: Sie beschäftigt mit Owen Pallett einen ganz ausgezeichneten Geschichtenerzähler, bei dem zu hoffen bleibt, dass ihm die Finale noch lange nicht einfällt. (Michael Pagels, eldoradio*)

Künstler und Label: www.tomlab.de

Anspieltipps

  • Please Please Please #14
  • The Chronicles Of Sarnia #07
  • This Is A Dream Of Win And Regine #02
  • Furniture #4
  • The CN Towers Belongs To The Dead #05

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