Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 13/2009

Albumcover

Fever Ray
Fever Ray

Ein Album wie ein Filmsoundtrack. Aber nicht irgendein Film und nicht irgendein Soundtrack, nein, in diesem Fall vereint er alles und ist weit, so unendlich weit, dass man sein Ende nicht ansatzweise erahnen kann. Es geht um landschaftliche und gefühlte Weite. Für den einen mag es ein befreiender und heroisch anmutender Sound sein, der nächste empfindet ihn gar als kalt, einsam und beklemmend. Ein guter Ansatz um Stunden und Tage zu überlegen, zu interpretieren und miteinander zu diskutieren. Ja, komplex ist das richtige Wort an dieser Stelle, wie die Filme von David Lynch und Jim Jarmusch, die Fever Ray alias Karin Dreijer Andersson (die Stimme von The Knife) bei ihrer Musik unter anderem beeinflusst haben. Wie das Cover des gleichnamigen Elektro-Albums Fever Ray, würde es sich aber sicher um einen künstlerischen Schwarzweißfilm handeln.

„If I Had A Heart“ beginnt düster, lässt erschaudern und die groteske Geisterhaftigkeit der folgenden Songs wie undurchsichtige und mysteriös erscheinende Nebelschwaden erahnen. Obwohl die Dunkelheit in diesem Moment die Kontrolle übernimmt, spürt man, dass alles um einen herum lebt. Der Herzschlag ist nicht schnell, aber kraftvoll und energisch. Und die verlangsamte Stimme scheint direkt aus dem Schattenreich entstiegen zu sein.

„When I Grow Up“ ist die Steigerung: Eine Szene unter der Wasseroberfläche, man spürt den Druck des Wassers, genießt die Klarheit der Sicht, die Geräusche des Ozeans und wenn jetzt die Quallen anfangen würden zu leuchten, könnte man sich auch fälschlicherweise in einem Chemical Brothers-Video wähnen - aber das ist nun wirklich ein anderer Film. Fever Ray ist langsamer, natürlicher und cooler zugleich, beinahe arrogant cool. „Now´s The Only Time I Know“ kommt im Gegensatz eher besinnlich, ja fast philosophisch daher. Das fokussieren auf den Moment, das Ausleben jeder einzelnen Sekunde. Das Leben in vollen Zügen in sich einsaugen, um Kraft zu sammeln für dunkle Momente die nicht lange auf sich warten lassen. Spätestens bei „Dry and Dusty“ ist diese entrückte Stimmung wieder da. Die Gemeinsamkeit der Stücke liegt in der sphärischen Einheit und dem Beat, der mal schneller, mal langsamer aber immer vordergründig platziert ist und sich wie ein Herzschlag durch die Songs des Albums windet.

Und bis zum Ende gibt es kein Entrinnen. „Concrete Walls“ könnte das Lied sein, bei dem Tom Waits, John Lurie und Roberto Benigni in Jarmuschs Film „Down by Law“ mehr oder weniger schuldig in einem Gefängnis von Louisiana sitzen. Die Zeit verrinnt nur langsam, es ist heiß und stickig und unterhalten möchte man sich definitiv auch nicht. Das einzige was nicht passen würde und diese Szene surreal wirken lassen könnte, wäre die bis an die Grenzen der Erträglichkeit verzerrte Stimme von Karin Dreijer Andersson, die mitunter etwas anstrengend werden kann, besonders beim mehrfachen Hören des Albums.
Insgesamt betrachtet ist „Fever Ray“ ein großartiges Solodebüt, das durch die Vermischung von Ambient, Elektro und Psychedelic glänzt und nur wenig Raum für Kritik bereithält. Dass die Dame aus Schweden kommt bzw. einen skandinavischen Hintergrund hat, spürt man allerdings ab den ersten Sekunden und das Björk einer der Haupteinflüsse bei der Erschaffung von Fever Ray zu sein scheint, kristallisiert sich ebenso zügig heraus. Nur ist es da, wo Fever Ray herkommt noch viel dunkler. (Ben Grosse-Siestrup, CampusFM)

VÖ: 27.03.2009

Künstlerin: http://www.feverray.com | Label: http://www.rabidrecords.com

Anspieltipps

  • 01 - If I Had A Heart
  • 07 - Now´s The Only Time I Know
  • 06 - Concrete Walls
  • 04 - Seven
  • 02 - When I Grow Up

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