Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 07/2004

Albumcover

The Electric Soft Parade
The American Adventure

Vor etwa fünf Jahren beschlossen Tom und Alex White, zwei Brüder aus dem südenglischen Badeort Brighton, eine Band zu gründen: „The Softparade“.
Nach etwa einem Jahr hatten sie auch Songs für ein ganzes Album geschrieben und machten sich auf die Suche nach einem Label, dass sie unter Vertrag nehmen wollte.
So einfach war das aber nicht. „Die Songs sind gut. Aber....nicht gut genug.“ Das war die Antwort von fast allen Leuten, die das Demo des ersten Albums in die Finger bekamen. Erst Ende 2000 fanden sie endlich ein Label.
Doch das schon fast fertige Album konnte immer noch nicht erscheinen. Eine gleichnamige Band aus Amerika stellte plötzlich Ansprüche auf den Namen.
Nach einem Langen Prozess benannten sich Tom und Alex schließlich in "The Electric Soft Parade" um und dann konnte endlich Mitte 2002 das Album erscheinen.
Und das poppige Gitarrengeschraddel im besten Britpopstil kam gut bei den Fans an. Aber trotzdem verkaufte sich das Album bei weitem nicht so gut, wie es die Plattenfirma gern gesehen hätte, und so wurden The Electric Soft Parade von ihrem Label gedroppt.
Tom und Alex spielten ernsthaft mit dem Gedanken, alles hinzuschmeißen, sich einen geregelten Job zu suchen und die Musik endgültig sein zu lassen.
„Ich wollte immer schon studieren. Meine Freundin studiert im dritten Jahr Kommunikationswissenschaften und Soziologie und ich hatte immer das Gefühl, ich kann nicht mitreden wenn sie mir etwas über ihre Welt erzählt“, sagt Tom. „Manchmal hab ich mir dann gedacht: Wieso laß ich den Mist nicht einfach? Das anstrengende Touren, die Gigs, der Nervenkoller, wenn man nicht weiß, wie die Musik ankommen wird! Aber dann wurde bei unserer Mutter Brustkrebs festgestellt. Sowas schweißt zusammen. Besonders bei Brüdern in einer Band. Uns wurde klar, daß wir gar nicht anders konnten. Musik war das einzige, was uns half, mit unserer Angst und unseren Problemen klarzukommen.“
Jetzt sind alle Probleme scheinbar überwunden und das Zweite Album „The American Adventure“ steht in den Plattenläden.
Verglichen mit dem Debut klingt „The American Adventure“ viel poppiger und eingängiger. Zwar gibt’s immer noch die schrägen Soundflächen aus Gitarre und Keyboardsgequäke, aber man kann im Gegensatz zum ersten Album öfter mal unter der Dusche mitsingen.Die erste Singleauskopplung „Loose Yr Frown“ hat sogar echte Ohrwurmqualitäten. „Das Lied hat Alex aus der Sicht seiner Ex-Freundin geschrieben. Er hat sich vorgestellt, in welchem Licht sie die Beziehung zwischen den beiden sieht“, sagt Tom. Krasse Vorstellung. Aber so ähnlich entstanden anscheinend alle Songs auf dem Album. „Das haben das Album nach einem Freizeitpark in England benannt. Später dachten alle, wir wollten die politische Situation der Welt beleuchten. Das war überhaupt nicht unsere Absicht. Das konzept des Albums entstand auf Tour, und ist sehr von den Entdeckungen, Erfahrungen und Reisen die wir gemacht haben beeinflußt. Wir sehen das Leben wie eine Art Achterbahn, mit Höhen und Tiefen. Genau das wollten wir auf dem Album ausdrücken.“
Das kommt auch sehr gut auf dem Album rüber. Vom eingängigen „Loose Yr Frown“ bis zum siebenminütigen soundtrackähnlichen „American Adventure“. Vom schrägen „Headacheville“ bis zum etwas traurig-sphärischen „Wrongest Thing In Town“. Man kommt nicht um die Bilder rum, die das Album projiziert. Nicht zuletzt durch die Titel mancher Songs. Wer z.B meint, mit „Headacheville“ ist das Gefühl gemeint, was man hat, wenn man am Morgen nach einer feuchtfröhlichen Party mit einem Brummschädel aufwacht, der liegt total falsch. „Headacheville ist der Ort, den man niemals wiedersehen will. Da wo am meisten Schmerz und Qualen sind“ erklärt Tom White. „Ich spiele gern mit Wörtern, um Bilder zu erzeugen. Schließlich ist doch Musik genau das, Gefühle, Fantasien und Bilder in Menschen zu erzeugen. Wenn wir das nur mit ein Paar Leuten hinkriegen, dann haben wir ne Mengen erreicht.“
(Amy Zayed, Campusradios NRW)

Hier könnt Ihr The Electric Soft Parade: The American Adventure - Silberling der Woche 07/2004 sofort bestellen: amazon.de

Archiv aller Silberlinge

radiobar