Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 34/2003

Albumcover

Elbow
Cast Of Thousands

Seit Mitte der 90er schien es ruhig um Manchester. Oasis schien das letzte musikalische Lebenszeichen der Stadt, die einst Trends setzte mit Bands wie New Order, The Smiths oder den Happy Mondays. Doch pünktlich zum neuen Trend des „New Accoustic Movement“, der in Großbritannien 2001 einsetzte, meldete sich die Stadt zurück. Mit Bands wie I Am Kloot und den vier Jungs von Elbow.

Leicht hatten Sänger Guy Garvey und seine drei Bandkollegen es wahrlich nicht.
Um ihr erstes Album zu veröffentlichen brauchten sie ganze zehn Jahre. Es gab Stress mit der Plattenfirma, sie wurden gedroppt, und erst Jahre später von V2 Records unter Vertrag genommen. Aber dann ging es Schlag auf Schlag. Das Debütalbum erschien 2001, und schon bald waren sie die Lieblinge der Musikpresse und der Fans.

Jetzt ist ihr zweites Album „Cast of thousands“ am Start. „Ich hatte tierische Angst.“ sagt Sänger Guy. „Ich hatte Pickel und Schlafstörungen. Ich hab alle Medikamente versucht. Aber nichts half. Es ging erst dann weg, als unser neues Album fertig abgemischt war.“

Das Album ist ein sehr persönliches geworden. Die Texte handeln von alltäglichen Begebenheiten, aber vor allem von Gefühlen, die wie Guy behauptet, schwierig in Worte zu fassen sind, aber wenn man eine Melodie dazu schreibt, geht es so eben.
In „Fugitive Motel“ geht es um Guys Beziehung zu einem Mädchen, dass er auf Tour kennenlernte. Er wusste von vornherein, dass es nicht auf Dauer sein wird. „Aber das Gefühl, dass ich hatte, wollte ich festhalten. Einfach, wie sehr ich sie vermisste, und dass ich mich danach sehnte, sie wiederzusehen.“

In Manchester kennt jeder jeden in der Musikszene. Also ist es auch nicht verwunderlich, dass auf dem letzten Track des Albums Dovessänger Jimmy Goodwin und die befreundete Band Alfie mitsingt.
Nicht nur die, sondern auch Guys Geschwister, und die gesamte Audience des Glastonbury-Festivals, die Guy bestochen hat, indem er meinte: Wenn ihr mitsingt, kommt ihr aufs Album. Und das Publikum sang!

So einschlägig wie Starsailor oder Badly Drawn Boy ist „Cast Of Thousands“ nicht. Es sind meistens keine Happy-Sound-Mitsingmelodien. Eher klingt das Album wie ein Trip durch Guys verwirrte Gedanken. Manchmal verzweifelt, manchmal glücklich, meistens aber eben nachdenklich. Mal prallen Akkustikgitarren auf harte Synthesizer, woanders ist es ein gospelähnlicher Chor, der Guys stimme begleitet.

Aber der Verwirrungseffekt lässt einen weiterhören, und zum Schluss hat man ganz viele verschwommene Bilder im Kopf und ist beschäftigt damit diese Reise zusammenzufügen. „Ich hab schon ziemlich krasse Bilder im Kopf. Aber meistens entstehen die, wenn ich nach zehn Bier aus dem Fenster eines Cafés in Manchester schaue, und mir die Stadt ansehe. So viele verschiedene Menschen, Kulturen, soziale Unterschiede. Manchmal ist es zu viel, und über alle Emotionen, die ich im Kopf nicht verarbeiten kann, schreibe ich Songs, dann geht’s irgendwie einfacher. Deshalb sind sie so verwirrt.“

(Zitate entnommen aus einem Interview, dass die Autorin selbst führte.)

(Text: Amy Zayed, CampusRadios NRW)

KÜNSTLER: www.elbow.co.uk

LABEL: www.v2music.com

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