Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 14/2007

Albumcover

El-P
I'll Sleep When You're Dead

Die Anzeige auf meiner Digitaluhr flimmert und zeigt 22:43 Uhr. Genau die richtige Zeit, um sich mit dem neusten Werk aus dem Hause Def Jux zu beschäftigen. Draußen ist es dunkel, aber in hinter den Fenstern spielt das Leben. Damit das Leben nicht bei mir mit Polizeieinsatz den Blockbuster dreht, trage ich beim Abhören Kopfhörer, was verhindert, das die Nachbarn bei den brachialen Sounds die mir aufs Trommelfell knallen, gleich Amok laufen. „I´ll Sleep When You´re Dead“ umfasst 13 Tracks mit einer Spieldauer von fast einer Stunde. Die gefühlte Dauer allerdings beträgt eine Ewigkeit, was nicht heißt das einem bei dem Album je langweilig werden könnte. Der Großmeister der komplizierten Beats und Instrumentals hat nachgelegt: Sperrige Klangflächen, vertrackte Samples, komplexe Rhymes. Die Atmosphäre ist gleichermaßen dicht und organisch, klingt vertraut und neu, so dass nur eine Hörprobe dieses Album in seiner Rasanz passend wiedergeben kann.

Schon der erste Track auf EL-P´s neuer Scheibe reißt den Hörer aus der Realität direkt in eine Hölle aus Klangwelten. Der „Tasmanian Pain Coaster eröffnet mit einer Minute Intro und einer weiteren im Spoken Stil, vergleichbar vielleicht mit Saul Williams, bis dem Hörer noch fünf weitere Minuten voller Tempowechsel, düsterer Atmosphäre und einem EL-P in Höchstform bleiben. Mich beschleicht allmählich das Gefühl, dass mich dieses Stück Plastik in meiner Anlage die ganze Nacht beschäftigen wird. Es ist wie ein Sog. Und nicht zu unrecht, denn bei „Up All Night“ fühlen sich meine Steigbügel an als würden sie von der trojanischen Armee geritten. Es ist ein gutes Gefühl. 156 Sekunden lang schießt mir das Adrenalin nur so durch den Körper. Bei „EMG“ gibt es verdienterweise eine kurze Verschnaufpause. Nicht, dass der Track weniger Energie hätte, aber im Vergleich zu den anderen zwölf Songs auf dem Album wirkt der Beat fast schon minimalistisch.

Die Features auf „I´ll Sleep When You´re Dead“ sind an einer Hand abzuzählen. Neben den beiden Labelkollegen Aesop Rock und Cage geben sich die Jungs von The Mars Volta die Ehre, außerdem bereichert Trent Reznor von den Nine Inch Nails das Spektrum an musikalischer Vielfalt und belegt, dass El-P gerne alle Genregrenzen sprengt. El-P´s Liebe zum Detail ist auf „I´ll Sleep When You´re Dead“ bei jedem Lied allgegenwärtig, aber besonders bei „Dear Sirs“ überzeugt das leise Klackern einer alten Schreibmaschine auf der El Producto seinen Hass gegenüber den "Sirs" in Lyrik meißelt. Fast wie Stan. Diesen Brief möchte sicherlich niemand in seinem Briefkasten finden. „Flyentology“ mit Gaststar Trent Reznor dürfte sich dagegen sogar beim Postboten höchster Beliebtheit erfreuen. Zwar ist die Single nicht ganz so kompliziert gestrickt wie die anderen Tracks auf dem Album, aber die Industrial Beats geben ihr einen besonderen Kick.

Inzwischen nähern sich die Ziffern auf meiner Digital Uhr der 02:00 Uhr-Marke. Genau die richtige Zeit, den wohlverdienten Schlaf mit dem größten Vergnügen von meiner To Do Liste zu streichen... (Florian Dudda, CT das radio)

VÖ: 16.03.2007

Künstler: http://www.definitivejux.net/jukies/el-p | Label: http://www.definitivejux.net

Anspieltipps

  • Flyentology, Nr. 10
  • No Kings, Nr. 11
  • Habeas Corpses, Nr. 8
  • EMG, Nr. 4
  • Up All Night, Nr. 3

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