Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 18/2005

Albumcover

Eels
Blinking Lights And Other Relevations

Mark Oliver Everett ("E") ist bekanntlich genauso unermüdlich wie kreativ. Der Eels-Kopf und Multi-Instrumentalist hat sich bei Werk Nr. 6 selbst übertroffen. Satte 33 Songs hat "E" aus dem Ärmel geschüttelt. Ein ganz starkes Doppel-Album ann dem er bereits seit 1997 gearbeitet hat, zwischendurch immer wieder unterbrochen von anderen Platten, die er schneller fertig stellen konnte. Nach den beiden rockigen Vorgängern "Souljacker" und "Shootenanny!" zeigen sich die Eels aber vorwiegend von ihrer ruhigeren Seite. Und das mit prominenter Unterstützung von Peter Buck (R.E.M.), Tom Waits und John Sebastian von Lovin’ Spoonful. Damit wurzelt das Album in derselben Zeit wie das düstere 98er-Eels-Meisterwerk „Electro-Shock Blues“, mit dem Everett versucht hatte, den tragischen Tod seiner Mutter und Schwester zu verarbeiten. Nicht anders als erwartet ist auch das sechste Eels-Album kein Feuerwerk der guten Laune, aber die atmosphärisch dichten Songs versinken trotzdem nie in Selbstmitleid und Leidenspose.

Zur Überraschung aller finden sich auf der zweiten CD teilweise heitere und fröhliche Melodien. Besonders die erste Singleauskopplung "Hey Man (Now You´re Really Living)" strahlt eine Freude und Heiterkeit aus, die man von den Eels und besonders vom kauzigen Mark Oliver Everett so nicht gewohnt ist. Nichts desto trotz soll hier nicht der Eindruck entstehen, wir hätten es einem völlig neuen Eels Sound zu tun. Eher das Gegenteil ist der Fall. Die Eels haben sich auf das zurückbesinnt, was sie schon immer sehr gut gemacht haben, nämlich gute Popsongs zu schreiben. Zurückgelassen hat man dafür die rockigeren Gitarren der beiden letzten Alben "Souljacker" und "Shootenanny". So werden vor allem die Songs der ersten CD die Songs fast nur durch Streicher, Klavier und Akustikgitarren in Szene gesetzt. Auch ein Saxophon mag man an der einen oder anderen Stelle mal hören ("Son Of A Bitch"). Partiell wirkt dies allerdings ein wenig zu sehr reduziert.

Nicht ohne Grund streiten in den Internetforen dieser Welt die Anhänger der Eels darum, ob das Album nun ein Meisterwerk geworden ist und einer Steigerung der "Electro-Shock-Blues"-Platte gleichkommt oder ob "Blinking Lights" And Other Relevations" nach den beiden rauheren letzten beiden Scheiben doch lieber gar nicht das Licht der Welt hätte erblicken dürfen. Besonders die erste CD verlangt dem Zuhörer einiges an Konzentration und Einfühlungsvermögen ab. Doch letztendlich bietet das Doppelalbum meiner Ansicht nach für beide Fangruppierungen sehr gelungene und zu enpfehlende CDs: Für die Liebhaber der älteren Eels Scheiben die erste CD, für die Anhänger der jüngeren Eels Werke die zweite CD. Folglich decken die Eels mit diesem Doppelalbum das gesamte Spektrum ihres musikalischen Schaffens ab: Angefangen bei den verzweifelt schönen Momenten, die schon "Electro-Shock Blues" zu seinem persönlichsten Album machten, bis hin zu den herrlich kranken Abgründen des "Souljackers". Und genau diese Achterbahnfahrt der Stimmungen macht dieses Doppelalbum so hörenswert. (Guido Bülow, hochschulradio düsseldorf)

Anspieltipps

  • Hey Man (Now You´re Really Living) CD2, Track 4
  • Son Of A Bitch CD1, Track 3
  • Losing Streak, CD2, Track 13
  • Old Shit / New Shit CD2, Track 2
  • Mother Mary CD2. TRack 12

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