Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 7/2018

Albumcover

Dream Wife
Dream Wife

Lass uns rummachen, oder bist du zu schüchtern? Dream Wife heißt die Gruppe, die das fragt. Es ist der erste Satz auf dem selbstbetitelten Debüt. Den müssen sie oft gehört haben. Plumpe Anmachsprüche gingen den drei Engländerinnen so sehr auf die Nerven, dass sie eine Band gründen mussten. Dream Wife kämpft gegen die Objektivierung der Frau. Das klingt richtig und rotzfrech.

Sängerin Rakel Mjöll und Bassistin Bella Podpadec teilen sich 2015 eine WG in Brighton. An der Kunsthochschule müssen sie eine Seminararbeit abgeben. Das Projekt soll ein musikalischer Kommentar auf die Rolle der Frau in der Gesellschaft sein. Dazu fehlt Ihnen noch eine Gitarristin also fragen sie noch ihre Bekannte Alice Go – und das Uni-Projekt Dream Wife steht. Vielen Dank liebe University Of Brighton, dass Du diese drei Frauen zur Musik inspiriert hast. 

Dream Wife machen röhrigen Indiepop oder lieblichen Indiepunk. Klanglich sind sie jedenfalls weit entfernt vom Rap. Freche Punchlines hat die Band trotzdem – und zwar eine Menge. „I am not my body, I am somebody“, singt Rakel Mjöll in Somebody. Der Track F.U.U. ist eine einzige Beleidigung gestreckt auf fast vier Minuten. „I’m gonna fuck you up“ schreit Rakel Mjöll, obwohl es eigentlich um einen Haarschnitt gehen soll. Der Song habe sich aber schnell zu einem Angriff entwickelt, auf alles, was sie in den Wahnsinn treibt, so die Band.

Der bereits im ersten Absatz angesprochene Track Let’s Make Out beginnt mit Rakel Mjölls hoher Stimme. Damit spielt sie mit der Naivität, die der Typ bei der Frau erwartet, die er doch unbedingt mit nach Hause nehmen möchte. Daraufhin kippt die Stimmung schnell und es setzt eine musikalische Schelle der drei Frauen, die ihm ziemlich wütend entgegenschreien.

Dream Wife machen die politischen, unbequemen Song und liefern dazu auch noch bleibende Melodien. Es wird geschrien auf verstärkten Gitarrenriffs und sich überschlagenden Drums. „In einer Band zu sein, ist wie in einer Ehe zu sein“, verkündet die Gruppe über ihr Label. Die Verbindung schafft Solidarität und Kraft – Kraft sich gegen all diejenigen zu richten, die ihnen und anderen Steine in den Weg legen, weil sie Frauen sind.

(Julian Beyer, eldoradio*)

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Anspieltipps

  • Hey Heartbreaker #4
  • Somebody #2
  • F.U.U. #11
  • Spend The Night #10
  • Let’s Make Out #1

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