Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 01/2005

Albumcover

The Donnas
Gold Medal

Brave Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin. Die Donnas checken noch einmal das Volumen ihres Augenaufschlags, ziehen die Konturen mit dem Eyeliner nach und klotzen Gloss auf die Lippen. Nein, zu der von einigen Journalisten immer wieder klischeehaft angeflammten Verbindung zur Riot Grrrl-Szene der 90er Jahre hat das Damenkränzchen aus Palo Alto nun wirklich schon immer Distanz signalisiert. Das emanzipierte Böse, die verruchte Sünde, das plakative Punkbewusstsein war nie das angestrebte Ziel der Donnas. Schlechtgelaunt, blutschwitzend und dreckig dürfen andere.

Vielmehr geht es darum, dem von Männern dominierten Genre „Rockmusik“ ein vorlautes Stück straighte Weiblichkeit entgegen zu setzen. Und darin ist der amerikanische Vierer weltweit Galionsfigur. Ebenso klassisch wie auf den bereits fünf Vorgängern wird mit Nonchalance aus der Punk´n´Riffrockgeschichte zitiert und daraus kleine, unverkennbar umweglose Hymnen geformt. Energisch bruzzeln die knackigen, meist recht simple gestrickten Songs übers Parkett, wobei die stylisch-biestigen Punkrocker aus Anfangstagen vermehrt mit Glam- und Hardrockelementen zersetzt werden. Und Produzent Butch Walker dreht zusätzlich an der Radiotauglichkeits-Schraube, so dass man, wenn man denn wollte, auch den Donnas den Pop-Persilschein ausstellen könnte. Zumindest ist jeder Song auf „Gold Medal“ eine potentielle Single – auch das macht ihnen so schnell auch keiner nach: Frischer Powerpunkpop mit prasselnd gedoppelten Refrains, gesalzenen Singalong-Parts und Hooklines bis zum Horizont. Und in Amerika bestimmt auch bald als polyphoner Klingelton aufs Handy.

Die stürmische Direktheit, der zerknitterte Erlebnishunger und die Geradlinigkeit hinterlassen aber nicht nur bei den männlichen Zuhörern und –schauern dünne Atemluft, sondern offenbaren auch das Manko der Handtaschen-Hymnen. Die Gleichförmigkeit des Rhythmus´, die Rekurrenz des Songwritings, der schale Nachgeschmack des oftmals Gehörten kann das Quartett auch mit diesem Album nicht ablegen. Alles ist genau und vorhersehbar strukturiert, pseudo-rebellisch und die Gitarrensoli knapp bemessen. Widerhaken wird man ebenso wenig finden wie eine abwechslungsreiche Dynamik und Hochspannung trotz AC/DC-Riffs.

Die solide Handwerksarbeit und der mäßig gestalterische Aufwand wird jedoch mit einer doppelten Portion weiblichen Charmes, geräumigem Wiedererkennungswert und polierter Eingängigkeit wett gemacht – hier kommt jeder an seinen Zipfel guter Laune. Girls just wanna have fun und wir auch. Mit gutdosierten Arschtretern samt knackigen Breaks, ausgefeilten Halbakustikern und All-Girl-Poppern demonstrieren die Mitzwanziger noch immer, wer hier Frau der Bühne ist und hängen sich kurzerhand die Goldmedaille um. Aber, wie man komplettierend dazu äußern sollte, in einer bedauerlicherweise wenig frequentierten Randsportart.
(Markus Wiludda, eldoradio*)

Tourdaten: 18.02.2005 Bürgerhaus Stollwerck, Köln - präsentiert von den CampusRadios NRW!

Künstler: www.thedonnas.com, Label: www.warnermusic.de

Anspieltipps

  • Fall Behind Me #4
  • Gold Medal #7
  • Is That All You´ve Got For Me #5
  • Revolver #10
  • Don´t Break Me Down #3

Hier könnt Ihr The Donnas: Gold Medal - Silberling der Woche 01/2005 sofort bestellen: amazon.de

Archiv aller Silberlinge

radiobar