Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 19/2012

Albumcover

Django Django
Django Django

Prokrastination ist ja ein ziemlich negativ konnotierter Begriff. Als Kunststudenten haben Django Django da bestimmt auch ein hartes Leben: Ganze drei Jahre lang haben sie an ihrem Debüt gebastelt, es fleißig aufgeschoben und sich auf die faule Haut gelegt. Aber wer hätte gedacht, dass man sich mit einem Müßiggang popkulturell so verdienstlich machen kann?  

Denn das studentische Aufschieben hat sich gelohnt. Resultat des freudigen Schaffens ist eine Wunderüte voll Popsongs. Ein Sammelsurium an Querverweisen, die immer Gefahr laufen, sich durch die Simultanität der bekannt klingenden Elemente selbst aufzuheben. Die Singleauskopplung "Default" präsentiert sich mit markantem Gitarrenriff, griffigen Samples, verloopt und zerstückelt sich im Refrain selbst. Infantil und an den richtigen Stellen aussschweifend wie die Talking Heads oder MGMT. Selten ging ein derart brüchiger und ungewöhnlicher Song wie "Default" so direkt ins Ohr. Doch Django Django haben ein Gefühl für Grenzen. Vincent Neff hat sich im Griff, seine Stimme wirkt teilweise leicht benebelt, fügt sich aber dann immer wieder geschickt in einen smoothen, mehrstimmigen Gesangspart ein. Nie wird es langweilig, nie trivial, nie voraussehbar. Auf "Wor" vernimmt man eine Westerngitarre, die im Song schon fast psychedelisch wirkt, wenn sie auf Percussion und den leicht verhallten Chor des Quartetts trifft. Der Hang zum Psychedelic hat dieser westernartige Folk aber schon im Intro verraten: "Hang Bop" verbündet mehrstimmigen Gesang, Handclaps, Echoloops, spacige Zwischeneffekte sowie Orgel- und Westerngitarrenpassagen.

Wie hieß es noch in der Verfilmung zu "Verschwende deine Jugend?" Kein Konzept ist mein Konzept. Das scheint aufzugehen: Die Musikpresse ist begeistert. Wohin man auch lauscht: nichts als verkopfte Songstrukturen, die mit einer Leichtigkeit um die Ecke kommen, als hätte die Band die drei Jahre nichts anderes gemacht, als Winnetou-Filme und bewusstseinserweiternde Substanzen zu konsumieren und nebenher ein wenig zu jammen. "Skies over Cairo" klingt avantgardistisch psychedelisch. "Life´s  a bitch" gibt sich hingegen bluesaffin groovig und könnte problemlos einem US-Surffilm aus den 1960er entstammen. Dabei gelingt es den Schotten sogar noch, zwischenzeitlich das Tempo zu variieren und auch weniger rasante Nummern unterzubringen (zum Beispiel "Hands of Men" oder die Midtempo Nummer "Love´s Dart").

Jonglieren mit Zeit- und Querverweisen scheint der Band unheimlich leicht von der Hand zu gehen. Die Instrumentierung gelingt fabelhaft: Digitale und analoge Elemente  verbinden sich in nahtlosen Übergängen, die dafür sorgen, dass jedes noch so spontane Jamgerüst eine stimmige und innovative Gesamtstimmung erzeugt. Es ist ein kleines Paradoxon, dass ein Großteil der Füchse des Pops immer die Nerds waren, die sich den massenkompatiblen Songstrukturen konsequent nicht untergeordnet haben und am Ende doch mehr Pop waren als viele kalkuliert feingeschliffene Scheiben. Man darf gespannt sein, welches samplefähige Material Django Django noch in ihren Schallplattenkisten finden. Und welche Westernfilme sie noch entdecken werden. Aber bitte bloß keine Eile. (Philipp Kressmann, CT das radio)

 

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Anspieltipps

Hail Bop, #2
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Life's a Bitch, #11
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Default, #3
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Wor, #9
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Zumm Zumm, #9
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