Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 26/2006

Albumcover

The Divine Comedy
Victory For The Comic Muse

Muss man diese Band eigentlich noch vorstellen? The Divine Comedy veröffentlichen das inzwischen achte Album und Uneinigkeit besteht bei Kritikern allenfalls darüber, ob es wieder mal das beste bisher ist. Und dennoch gilt diese Band zumindest in Deutschland nach wie vor als Geheimtipp, deren Lieder man trotz brutalstmöglichem Pop-Appeal im Formatradio mit der Lupe (oder wie auch immer das passende Instrument für solche Zwecke heißen mag) suchen muss.

Also doch noch mal eine kurze Einführungsrunde: The Divine Comedy besteht im Wesentlichen aus dem kleinen großen Nordiren Neil Hannon. Der Mann textet, komponiert und arrangiert seit Jahren im Alleingang auf dem heimischen Dachboden und macht sich dann mit ausgewählten Studiomusikern und/oder Orchestern ans Aufnehmen. Heraus kommen Popsongs zwischen barocker Opulenz und reduzierter Melancholie. Auf "Victory For The Comic Muse" hat er diese Gratwanderung zur Perfektion gebracht: da geben sich Kirmesschunkler wie "Arthur C. Clarke´s Mysterious World" (wir sprechen hier von einer viktorianischen Kirmes mit Kettenkarussells und Gewichthebern, nicht von den heutzutage tourenden Umts-Umts-Autoscootern und Straßenschlachten) und sommerlich-verträumte Schlurfer wie "A Lady Of A Certain Age" den Taktstock in die Hand.

Ist die Musik schon großartig, so sind es die Texte erst recht: selten hat sich ein Popsong ernsthafter und sympathischer mit der Entjungferung von Teenagern auseinandergesetzt als "To Die A Virgin", selten wurden die wichtigsten Fragen des Universums besser komprimiert als "Why must the summer always turn into the fall? / Why must we lose love to ever know love at all?" ("The Light Of Day"). Hinzu kommen Songs wie "Mother Dear", das im nächsten Jahr auf jedem Muttertagsmixtape landen wird, die herrlich respektlose Single "Diva Lady" und das Associates-Cover "Party Fears Two".

The Divine Comedy ist eine Band, die sich schon seit Jahren zeitgenössischen Vergleichen entzieht. So viel Stil hat nie ein Popmusiker transportiert: Gegen Neil Hannon wirkt selbst Sir Paul McCartney wie ein unbeholfener Bauernjunge, von Stallburschen wie Pete Doherty gar nicht zu reden. Die knappe Dreiviertelstunde, die das Album dauert, ist ein Musikgewordener Five O´Clock Tea im schattigen Garten eines englischen Herrenhauses, eine Kurzgeschichte von Oscar Wilde, ein Gemälde von William Turner, dem man zuvor das Braun aus dem Farbkasten geklaut hat. Oder für die, die diesem Ausflug in die britische Kunstgeschichte nicht mehr folgen können: Neil Hannon vorzuwerfen, seine Songs klängen ja "irgendwie immer gleich", wäre wie Shakespeare vorzuwerfen, er habe ja ständig fünfaktige Dramen in Versform geschrieben. (Lukas Heinser, CT das radio)

VÖ: 23.06.2006

Künstler: http://www.thedivinecomedy.com | Label: http://www.capitolmusic.de

Anspieltipps

  • Diva Lady, #3
  • To Die A Virgin, #1
  • Arthur C. Clarke´s Mysterious World, #8
  • Mother Dear, #2
  • Party Fears Two, #7

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