Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 38/2005

Albumcover

dEUS
Pocket Revolution

Wenn man Bands wirklich mag, gibt es nur zwei Wege:

1. Man liebt sie von Anfang an heiß und innig - für den Rest seines Lebens.
2. Die Band geht zuerst an einem vorbei und erst später, mit viel zeitlichem Abstand, lernt man diese Band nach und nach kennen.

Möglichkeit Nummer 2 trifft bei mir und dEUS zu. Als die Belgier mit ihrem Album "The Ideal Crash" in aller Munde waren, zogen sie an mir vorbei. dEUS kannte ich zwar namentlich, aber keinen einzigen Song. Das ist meiner Meinung nach aber gar nicht so verkehrt, schließlich kann man sich so dem ganzen Hype um eine Band entziehen und mit dem eben schon angesprochenen zeitlichen Abstand objektiver feststellen (falls das bei Musik überhaupt möglich ist) ob man dieser Band in seinem Herzen einen Platz freischaufeln will, oder ob es vergebene Liebesmüh ist.

"Pocket Revolution" hat lange auf sich warten lassen. Lange war es still um das Bandgefüge um Sänger und Kreativkopf Tom Barman. Das Leben glitt dahin, dEUS wurden von ihrer alten Plattenfirma gedroppt; Tom Barman machte einen Film. "Any Way The Wind Blows" gewann viele Preise, kam aber nie auf den deutschen Markt. Außerdem tobte sich Tom auf dem elektronischen Sektor mit CJ Bolland im Projekt "Magnus" aus, es gab Umstrukturierungen in der Band und so zogen 6 Jahre ins Land. So mancher glaubte nicht mehr an eine Fortschreibung der Bandgeschichte - bis zu Ankündigung eines neuen Albums.

"Pocket Revolution" passt sich vom Titel perfekt in das dEUS-Paradox-Universum ein. Hier herrscht eine Vorliebe für verwirrende Titel: "The Ideal Crash", "In A Bar Under The Sea", "Wake Me Up Before I Sleep" usw. usf. Diese Distanz wird auch musikalisch aufrecht erhalten. dEUS ist keine Band, die sich sofort erschließt. Man muss sich reinhören, reindenken und vor allem reinfühlen. Die großangelegten Sound- und Songstrukturen sind kein Easy-Listening und erfordern Aufmerksamkeit und Zeit. Dann wird man aber umso mehr belohnt

Die ersten Töne von "The Real Sugar" jagen Schauer über die Haut und "Nothing Really Ends" ist der perfekte Song für ausschweifende Lebenskrisen. Songs, die Tränen in die Augen treiben reihen sich ein in einen Fluss, der aber auch immer wieder mit Stromschnellen aufwartet. Atmosphärische Songs wie "Stop-Start Nature", "Cold Sun Of Circumstances" und "Nightshopping" sind Rock at its best - immer mit kleinen Widerhaken im Detail. Der angesprochene Fluss des Albums beginnt im wuchtigen Opener "Bad Timing", dessen Spannung sich langsam aufbaut, stärker und stärker wird und sich in einem Gewitter im Refrain entlädt. Dann ist kurz durchatmen angesagt: Die erste Single und der absolute Radiohit "7 Days, 7 Weeks". Hier haucht Tom Barman mit dezenter Pianobegleitung in den ersten Sekunden des Songs ins Ohr, dass ich wünsche er würde neben einem stehen und diese Worte für diesen einen Moment nur für mich singen. Spätestens jetzt bin ich gefangen in diesem Album und wage nicht einmal daran zu denken vorzuspulen oder eine andere Platte anzumachen. Je stärker ich mich auf dieses Album einlasse wird mir klar, dass Tom Barmans Stimme eine für die Ewigkeit ist. Ebenso zeitlos wie das komplette Album, das sich jenseits von allen aktuellen Tendenzen bewegt, aber keineswegs altbacken wirkt. Es ist einfach dEUS, die sich nie nach Trends oder modischen Bewegungen richteten. Jedesmal, wenn die letzten Töne des Schlusssongs "Nothing Really Ends" verklingen, frage ich mich was eigentlich besser ist: Eine Band von Anfang an zu lieben, oder sie später zu entdecken? (Sandra Zapke, CT das radio)

Künstler: www.deus.be, Label: www.v2music.de

Anspieltipps

  • 7 Days, 7 Weeks (#2)
  • Nothing Really Ends (#12)
  • Stop-Start Nature (#3)
  • What We Talk About (When We Talk About Love) (#5)
  • The Real Sugar (#10)

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