Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 48/2012

Albumcover

Deftones
Koi No Yokan

Noch 2008 hatten es die Deftones mit einem schweren Schicksalsschlag zu tun: Bassist Chi Cheng fiel wegen einem schweren Autounfall ins Wachkoma. Eine Krise, die der Band schwer zusetzte, die sie künstlerisch aber bewältigen konnte: Das 2010er Album "Diamond Eyes" überzeugte sowohl Bandanhänger als auch Presse – und das nach dem Welterfolg "White Pony". 

Auch "Koi No Yokan" (bedeutet im Japanischen "Vorahnung der Liebe"), für das die Deftones für ihre Verhältnisse recht wenig Zeit benötigten, lässt sich problemlos an diese hohe Messlatte anlegen. Unter anderem, weil die Band trotz Gitarre als Hauptelement (auf sehr vielen Songs greift Sänger Chino Moreno selbst zu den Saiten) erneut auf Varianz setzt: Der stilistische Spielraum umfasst sowohl straight-brachialen Nu-Metal-Rock (Opener "Swerve City" oder das unbarmherzig wuchtige "Poltergeist") als auch gediegenere Kompositionen wie beispielsweise "Entombed", in der Morenos gewohnt opulente Stimme von einem dumpfem Beat getragen wird. Auch wenn sich der Track noch gewaltig entlädt, bleibt ein melodisches Grundgerüst erkennbar, das in diesem Fall sogar noch Platz für Synthies lässt.

Der musikalische Horizont der Band ist breiter, als man vermutet. Der versiert produzierte Sound der Band verwischt die Grenzen zwischen Nu Metal und Melodic Rock, erweitert dieses Bündnis durch eine dichte Atmosphäre, die zwischen schillernder Schönheit und pulsierender Aggressivität rotiert. Oft bildet sich das ganze Spektrum sogar in einem einzigen Track ab. So entpuppt sich unter anderem "Rosemary" als Schnittstelle von unbändiger Energie in Form von wüsten Power-Riffs und überraschend feinfühligen Gitarrensoli-Arrangements. "Koi No Yokan" ist ein spannungs-, eben weil so kontrastreiches Album geworden. (Philipp Kressmann, CT das radio)

      

Anspieltipps

Swerve The City, #1
Link:

What Happened To You, #11
Link:

Entombed, #5
Link:

Tempest, #7
Link:

Poltergeist, #4
Link:

Archiv aller Silberlinge

radiobar