Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 18/2013

Albumcover

Deerhunter
Monomania

 „Ich brauche Punk-Rock! Ich bin kein Indie-Musiker. Ich weiß nicht mal, was zur Hölle das bedeutet!“ Obwohl Bradford Cox mit seinen Kontroversen an sich gern hausieren zu gehen scheint, erwies ihn diese Aussage im Kontext von Deerhunters „Halcyon Digest“ tatsächlich als etwas leichtgläubig. Für jemanden, der die „Indie-Kultur hasst“, muss der Erfolg des 2010er Albums wie ein Schlag ins Gesicht gewesen sein. Nur konsequent, dass Cox jetzt sagt: So nicht!

Und seine Taktik ist nicht nur ziemlich offensiv, sondern auch unverschämt offensichtlich. Auf „Monomania“ ersetzen Deerhunter ohne Zaudern all die Verträumtheit eines „Helicopter“ oder „Earthquake“ mit Krach. Nicht unwahrscheinlich, dass der Vorab-(Titel)track eine flashmobähnliche Schockstarre vor Computern ausgelöst hat. Weltweit müssen sich Menschen gefragt haben: Was zur Hölle ist denn da passiert? Hier kreischen ja die Gitarren, zerren die Vocals und wütet das Tamburin! Zuhause in Atlanta lachte sich Cox ins knochige Fäustchen, dear fucking Indie-Kultur, nimm das!

Was sich so dornig wie dicht ankündigte, geht umso übersteuerter weiter. Wenig Raum lassen Deerhunter den Arrangements und dem letzten Rest Aufgeräumtheit wird mit einem Dezibel Maximallautstärke über Null der Garaus gemacht. Das scheint Cox in seiner rotzig-trotzigen Attitüde nur noch zu bestärken und er wirkt überzeugender denn je, wenn er in „Punk La Vie Anterieure“ über seinen „Junk“ singt. Reimt sich halt auch so super! Ein paar wenige typische Arpeggien reihen sich in den Noise ein („T H M“). Wirklich ergreifend aber ist der Moment, in dem sich zwischen all dem Geräusch die vielschichtige Deerhunter-Melodie herauskristallisiert; sich mit der Zeit, die „Monomania“ noch viel mehr als alle Vorgänger-Alben braucht, aus all dem Wahnsinn das Genie erhebt.

Auch wenn die Halcyon-Digest-Hits fehlen und diese Tatsache Cox vielleicht keinen Skimasken-Tanz aufführen lässt: Deerhunter werden dank dieser bitteren und widerlichen Portion Punk-Medizin auch dieses Mal für einen dieser Augenblicke im Musikjahr sorgen. „Faith in Indie-Kultur restored“. (Natalie Klinger, eldoradio*)

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Anspieltipps

Back To The Middle, #9
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Sleepwalking, #8
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The Missing, #3
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Dream Captain, #5
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Monomania, #10
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