Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 11/2013

Albumcover

David Bowie
The Next Day

2013 soll nun also zum Jahr der Bowie-Festspiele ausgerufen werden. Nach zehn Jahren ist Major Bowie zurück aus seiner Versenkung. Während die Welt ihn in einem Zwangsruhestand wähnte, nachdem er 2004 wegen einer Herzattacke auf dem Hurricane-Festival seine Welttournee abbrechen musste, platzte im Januar überraschend die erste Single „Where are we now“ heraus. Ein ausgesprochen introspektiver Song und wenig triumphal für eine erste Single nach zehn Jahren. Ein Vorgeschmack auf „The Next Day“ zwar, aber nicht unbedingt ein guter Repräsentant des ganzen Albums.

So verletzlich und sentimental wie auf der ersten Auskopplung, auf der er sich an seine lange vergangenen Berliner Zeiten erinnert, klingt er sonst nirgends auf seinem 24. Studioalbum: Die Stimme ist kräftig, die Songs straff, die Texte dicht gewoben. Zusammen mit einigen Eingeweihten um Tony Visconti entstanden in New York 14 Songs, die über weite Strecken so rockig sind wie lange nicht. Bei „(You Will) Set the World on Fire“ dröhnt ein markantes Gitarren-Riff, in „How Does the Grass Grow“ überrascht ein überkandidelter Hey-hey-hey-Chor, und im Titelsong krachen freudig die Gitarren. Bowie singt dazu: „Here I am, not quite dying“. Und da ist er! Enorm selbstreferentiell blickt er auf seine fünf Dekaden Musikgeschichte zurück.

Auch wenn immer wieder Phasen Bowies langer Karriere anklingen, wirkt das Album nicht wie eine Retrospektive, sondern viel mehr so, als sei da ein erfahrener Künstler am Werk, der seine alten Songs mit frischem Wind fortsetzt. Während das Stück „Valentine’s Day“ fünf Sekunden lang mit freundlichem Fingerschnipsen und Stolpertrommeln so tut, als stamme es direkt aus den 60ern, erinnert Bowie mit dem drumlastigen Beat von „If You Can See Me“ zum Beispiel an die 90er, als er versuchte, sich an die Spitze der musikalischen Avantgarde zu setzen und scheiterte. Er ist eben wie er ist und macht schnell klar, dass er die vergangenen zehn Jahre nicht damit verbracht hat, sich die aktuellen musikalischen Strömungen anzueignen. Vielmehr hat sich Bowie entspannt und gelesen. Womöglich auch in Klatsch-Magazinen – rein für Recherchezwecke natürlich, wie man aus seiner zweiten Single „The Stars (are out tonight)“ raushören kann; ein Song, der die heutige Celebrity-Kultur reflektiert und kritisiert.

Bowie hat es geschafft, uns mit diesem in aller Heimlichkeit entstandenen Album nach all den Jahren noch zu überraschen. Er schenkt uns 14 weltumstürzende, ziemlich tolle, großformatige Songs, die nicht nur das künstlerische Erbe Bowies widerspiegeln, sondern sich mal wieder Bowie-typisch in unsere Gegenwart fügen. (Carolin Unger, CT das radio)

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Anspieltipps

(You Will) Set The World On Fire, #12
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Where Are We Now, #5
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The Stars (Are Out Tonight), #3
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Valentine's Day, #6
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I'd Rather Be High, #8
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