Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 30/2006

Albumcover

Daniel Cirera
Honestly I Love You *cough*

Was würde Jack Johnson tun? Einen Song drüber schreiben, sicher. Aber so einen? Sicher nicht. Über Züge würde unser Lieblingsamisurfer singen, über Bananenpfannkuchen und vor allem übers Rumsitzen und Warten und Wünschen, aber niemals würden sich allzu explizite Texte in die Lieder mischen, zu denen gemeinsam mit Affen Coco Sonnenuntergang für Sonnenuntergang die nackten Zehen im Sand gewippt werden - da könnte ihn seine Freundin noch so unrühmlich verlassen.

Anders Daniel Cirera. Der Schwede mit den spanischen Hormonen hat keine Zeit zu warten und keine Lust auf Rumsitzen. Und wenn es ums Wünschen geht, nimmt der Betrogene erst recht kein Bananenblatt vor den Mund; Rache will er - und das so verzweifelt komisch und so rührend ehrlich, dass man ihm jedes böse Wort direkt verzeiht. "Du bist ja gar keine richtige Vegetarierin!", beschuldigt er die Verfließende, "Ich hab dich doch Fleisch essen sehen! - Aber ich sag´s keinem weiter..." Und dann folgt eine Tirade von Wörtern, für die Herr Johnson ihm den Mund mit Ozeanwasser und biologisch abbaubarer Seife auswaschen würde. Dabei musste das doch mal gesungen werden und zwar genauso wütend und irrational wie Daniel das tut. Ganz ehrlich, ob "F" (volle Namen verschweigt unser Gentleman konsequent) nun das eine Schnitzel oder die andere Frikadelle mehr oder weniger gegessen hat - wen interessiert´s? Und wirft er ihr das wirklich vor? Nein, natürlich nicht. Und ja, natürlich!! Denn sie hat ihn verlassen, einfach so, und verletzte Gefühle wollen verletzen. Wollen schimpfen, schreien, anklagen, rumheulen, selbstmitleidig sein und all das nicht durch die spritzwasserschützende Sunnyboybrille, sondern mit Salz in den Augen und Scherben in den Fußsohlen. Und trotzdem mit überlegen entspannten Singer-Songwriter-Strandmelodien.

Daniel Cirera legt den Finger in die eigenen Wunden, aber er vergisst beim Wühlen im eigenen Fleisch nie die Trommelfelle der anderen. Und bevor die ihm ins Meer davonschwimmen, verpackt er das so tief Gefühlte doch lieber in fühlbar Leichtes. An sämtlichen Stränden dieser Welt hat der Malmöer schon mit seiner Gitarre gesessen und Songs geschrieben, nachdem mit "F" Schluss war und er seinem verletzten Stolz eine Weltreise zur Selbsttherapie verordnet hat. Herausgekommen sind dabei Stücke, die mehr sind als nur Albumfüller nach der allgegenwärtigen "Motherfucker..."-Single. Um ihn selbst geht es immer, aber auch um alles andere. Ums Unterwegssein (in "Roadtrippin´"), um Typen, die sich in ähnlicher Situation wie seiner mit Mitte Zwanzig einen Hund anschaffen, um nicht alleine zu sein (in "Dog") und - tatsächlich - auch um die schönen Seiten der Liebe. Und darüber, dass er an die immer noch glaubt, wäre sicher auch Jack Johnson froh. (Britta Helm, Radio Q)

Künstler: http://www.danielcirera.com | Label: http://www.capitolmusic.de

Anspieltipps

  • Motherfucker - Fake Vegetarian Ex-Girlfriend, #1
  • She Rules The School, #3
  • Roadtrippin´, #2
  • Anarchy In The UK, #9
  • Dog, #8

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