Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 51/2009

Albumcover

Curse Ov Dialect
Crisis Tales

Man nehme einen Haufen HipHop-affiner Australier verschiedenster ethnischer Hintergründe, dazu eine ordentliche Dröhnung Weltmusik und lasse das Ganze auf einem psychedelischen Trip wirken. Eine seltene Angelegenheit? Eben. Deswegen ist es umso erfreulicher dass die Mannen von Curse Ov Dialect aus Melbourne ihren inzwischen vierten Tonträger "Crisis Tales" rausgebracht haben und damit dem Genre des Sprechgesangs wieder ein paar neue Impulse verpassen.

Bereits seit Mitte der Neunziger aktiv, darf sich die Truppe um die MCs Raceless & Vulk Makedonski den ersten australischen HipHop-Act mit U.S.-Release schimpfen und hat bereits die eine oder andere Tour durch diverse Kontinente hinter sich, gefördert vom australischen Kulturrat, versteht sich. Die Eindrücke dieser Reisen dürften ihre Spuren hinterlassen haben, denn "Crisis Tales" klingt nicht ohne Grund wie ein multikultureller Musikcocktail: Viele der Künstler, die Curse Ov Dialect in aller Herren Länder kennengelernt haben, wirken prompt auf dieser Veröffentlichung mit. Heraus kommt dabei wirklich erfrischender, experimenteller HipHop getragen von intelligenten, politischen Texten der australischen Musiker mit maltesischen, mazedonischen, Pakistani- und Maori Wurzeln.

Diese Vielfalt lässt auf dem Album auch nicht lange auf sich warten: Der Opener "Identity" macht mit seiner Mischung aus funkigen Beats und orientalischen Klängen deutlich, worum es auf dieser Platte geht, bevor der Nachfolger "Nine" einem die volle Ladung Weirdness entgegenschlägt. Kein Wunder, besteht der Unterbau der Tracks aus diversen Samples, die die Australier über die Jahre zusammengesucht haben. Das klingt herrlich nostalgisch und erinnert an das künstlerische Schaffen der 90er Jahre. "Paradigm" tönt entsprechend wie ein Konglomerat aus Renegades of Funk, The Prodigy und Bollywood, während "Media Moguls" eher bedächtig an das Hauptanliegen der Musiker anzuknüpfen scheint, nämlich, der allgegenwärtigen Konsumkultur den Kampf anzusagen. Der zentrale Song der Platte ist der knapp zwölfminütige vorletzten Titel, der entsprechend auch "Collossus" betitelt ist und musikalisch eher als klassische HipHop-Nummer durchgeht, wenn auch recht pompös und multilingual umgesetzt.

Unermesslich scheinen die Einflüsse dieser Combo zu sein, wenn in "85 Percent" plötzlich die Punk Rock Legende G.G. Allin besungen wird und die Band selbst Mike Pattons Mr. Bungle als große Referenz aufzeigt - und das ist auch durchgängig hör- und spürbar. Mit dem von Bläsern getragenen, rein instrumentalen "Runway Tears" wird dieser musikalische Kopfstand beendet. "Crisis Tales" ist dabei ein durch und durch kosmopolitisches Werk einer zusammengerückten Welt geworden und schaut -sinnbildlich für jegliche Krisenzeiten- zurück auf das bessere Gestern. Entsprechend werden Old School-HipHopper vielleicht die meiste Freude daran finden, wobei auch alle anderen von der sublim-politschen, aber immer stimmungsvollen Platte durchaus mitgerissen werden. (Karolina Lossa, Radio Q)

Band: http://www.myspace.com/thecurseovdialect | Label: http://www.staubgold.com

Anspieltipps

  • MO: Paradigm, Track 03
  • DI: Identity, Track 01
  • MI: BH, Track 11
  • DO: 85 Percent, Track 08
  • FR: Amazon, Track 05

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