Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 08/2005

Albumcover

Coralie Clément
Bye Bye Beauté

Auch wenn die französische Sängerin Coralie Clément aller Ortens bestreitet, dass der Titel ihres zweiten Albums „Bye Bye Beauté“ das Ergebnis ihres offensichtlichen musikalischen Stilwechsels sei, so hätte der Titel nicht treffender gewählt sein können. Denn im Gegensatz zu ihrem sanften, manchmal ins Schmalzige abdriftenden Debüt „Salle De Pas Perdus“ wandelt die 22-jährige auf ihrem Zweitling eher auf der burschikos- rockigeren Seite.

Zwar ist auch der neue Longplayer „Bye Bye Beauté“ unter freundlicher Mitarbeit ihres großen Bruders, dem gefeiertem Chansonier Benjamin Biolay, entstanden, dennoch hat Coralie Clément dieses Mal offensichtlich weit mehr Einfluss genommen als dies bei ihrem Debüt der Fall war. Ein paar Calexico-Trompetensätze hier („Indécise“) und ein paar Garage- eske Gitarren à la Tahiti 80 dort („L’Enfer“, „Un Beau Jour Our Mourir“) und schon klingt Madame Clément weit mehr nach Indie als nach dem frankofonischen Klischee von der Stange. Natürlich gilt zu bedenken, dass Cléments Erstling „Salle De Pas Perdus“ in Frankreich früher erschien als in Deutschland. So dass die Gradwanderung aus Sicht der Sängerin weit natürlicher kam als dies hierzulande, angesichts der zeitlich nah beieinander liegenden Veröffentlichungen, zu vermuten ist.

Die Ursache des musikalischen Sinneswandels dürfte neben Cléments persönlicher Vorliebe für Weezer und Co sicherlich auch in ihrem privaten Umfeld zu finden zu sein. Da wäre zum einen ihr Lebenspartner zu nennen, der Nada Surf- Bassist Daniel Lorca, der auf „Bye Bye Beauté“ nicht nur im Duett mit Clément zu hören ist („Mais Pourtant“), sondern unter anderem auch für die knorke Basslinie des Openers „Indécise“ verantwortlich ist. Es könnte aber genauso gut auch an der Inspirationskraft des Big Apple New York liegen, dem Tatort eines Großteils der Aufnahmen.

Inhaltlich setzt die französische Sängerin auf zwei Pferde zugleich: Ihr fiktiver Charakter Lou Palladium wird zwar im letzten Song „Épilogue“ beerdigt, dennoch darf Palladium auf „Bye Bye Beauté“ ein letztes Mal vom zwischenmenschlichen Herzschmerz dieser Welt erzählen. Interessanter - weil in Verbindung mit Coralie Clément neu und ungehört - sind allerdings die anderen Themenschwerpunkte auf dieser Platte: da sind auf der einen Seite die persönlichen Erfahrungen Cléments in der Megalopolis New York (z.B.: „Avec Ou Sans Moi“) und auf der anderen Seite das ein oder andere Statement zu Gesellschaftsphänomenen wie etwa den sinnlosen Gewalttaten in ihrer Heimatstadt Paris („Kids (Jeu Du Foulard)“). - Hören wir hier bereits die zukünftige Coralie Clément; also die Coralie Clément in der noch zu schreibende Ära nach Lou Palladium? Vielleicht. Interessant und spannend wär’s allemal! (Felix Grimm, CT das Radio)

Label: www.virgin.de

Anspieltipps

  • Kids (Jeu Du Foulard) (Tr.7) - aktuelle Single
  • Un Beau Jour Our Mourir (Tr.5)
  • Mais Pourtant (Tr.9)
  • Avec Ou Sans Moi (Tr.4)
  • Indécise (Tr.1)

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