Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 01/2002

Albumcover

The Coral
The Coral

Als Ende 2001 das englische MusikMagazin NME die Band um die Brüder James und William Skelly aus Liverpool auf die Titelseite nahm, brach in Großbritannien erst mal das große Staunen aus.

Die Jungs sahen aus, als ob sie gerade aus den Windeln gekrochen wären, und krampfhaft versuchen wollten rock.n roll stars zu sein. Der Jüngste war grad mal 16, der Älteste 21.
Dann kam die Erste single, und das staunen wurde noch viel größer.

Das klang ungefähr so, als hätten sich Edwin Star und King crimson zu einer Jam session zusammengefunden,und dabei ein Bißchen zu viel Gras geraucht.
Dann durften sie mit the Cooper temple clause und Black rebel motor cycle club durch UK touren. Und ab da war die Begeisterung nicht mehr aufzuhalten.
Frontman James Skelly überzeugt durch eine stimme, die mal rocken, mal säuseln und mal krächzen kann, die Musik ist teilweise melodiös, teilweise wieder abgehackt, sodaß mitten in einem Stück plötzlich Rhythmus und Melodie wechseln können. Die Liveperformance ist zwar noch unausgegoren, aber hat auf jeden Fall das Potential, gegen Black rebel motor cycle club, oder the Cooper temple clause gut dazustehen.

Allerdings kommt der Erfolg von the Coral nicht ganz allein von Glück und Talent. Produzent ist nämlich niemand anders als Lightning seeds sänger Ian Broady. Und er ist nicht nur Produzent. Er ist auch James und william Skellys Onkel.

Allerdings sieht James das nicht als Sprungbrett zum Erfolg. „Ian hat viel mehr mit Bands aus Manchester gearbeitet. Die Leute aus Manchester haben keinen plan. Die Musik war vielleicht früher mal annehmbar. Heute ist das alles nur kommerzieller müll. Wir erweitern Ians spektrum, weil wir aus liverpool sind, und ne viel lebendigere musikszene haben. Er kann uns zwar Tips geben, aber wir können ihn, und alle anderen da draußen begeistern!“
Ein Bißchen arrogant wirkt James schon, mit seinem zerschlissenen hemd, der verwaschenen jeans, und dem Gesichtsausdruck, der zu sagen scheint: die Welt interessier mich nen scheiß! Aber leisten kann er sich das schon ein Bißchen. Das debutalbum stieg sofort in die Englischen top20. Die Single „Goodbye“ in die top5.
Jetzt steht das Gute stück auch in den Deutschen plattenläden.

„The coral“ beeindrucken vor allem durch ihre stilwechsel, die sehr oft auch inmitten eines einzigen Songs auftreten können. Vor allem begeistert das Album aber dadurch, daß der Retrostil echt rüberkommt. Es ist nicht 60.s Musik neu abgemischt, sondern da haben ein paar Jungs mal versucht, alles was sie bei Papi im plattenschrank gefunden haben, zu kombinieren, und das Gebräu auf eine Platte zu packen. Da trifft King Crimson auf Tom Jones und Velvet Underground und die beatles. Und das macht das album so inovativ.

Wie James und sein Bruder william nun eigentlich Texte schreiben, und vor allem, wieviele drogen dabei konsumiert werden, ist unbekannt. Aber es müssen viele sein. Die texte handeln von menschlicher Metamorphose, einem Dietrich, der die Welt der Menschlichen Gedanken für jeden zugänglich macht, und der fähigkeit in die Seele anderer Leute sehen zu können.

Vielleicht liegt es aber auch an der Einsamkeit von James und William Skelly. Beide wollen keine Fans um sich haben, weil sie Angst haben, die würden gar nicht wissen wollen, wer sie wirklich sind.

Nur beim Gedanken an seine Freundin bekommt James ein weiches, ja fast sanftes gesicht. „Verdammt, ich vermisse sie. Sie ist der einzige Halt den ich habe, bei all dem Rummel mit Fans und plattenfirmen, Management, Touren und dem ganzen Mist! Wenn ich die Musiknicht über alles lieben würde, hätte ich schon lange mit der Scheiße aufgehört.“

(Text: Amy Zayed)

Anspieltipps

  • Mo: Goodbye
  • D: Skeleton Key
  • Mi: Since I´ve been gone
  • Do: Track 2
  • Fr: Simon Diamond

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