Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 38/2003

Albumcover

The Cooper Temple Clause
Kick Up The Fire, And Let The Flames Break Loose

Reading - ein kleiner Ort, nicht unweit von London. Einmal im Jahr herrscht hier Ausnahmezustand. Wenn das größte und bekannteste Rock-Festival auf der Insel in der verschlafenen Kleinstadt zu Gast ist. Und der Rest des Jahres? Öde Langeweile und Spießigkeit, typische middle-class Probleme halt. Wenn da nicht das leicht verrückte Team Cooper wäre. Das erste, was einem optisch bei The Cooper Temple Clause auffällt, sind ohne Frage die Frisuren. So könnte das Ergebnis aussehen, wenn man den Begriff "unter einen Rasenmäher geraten" wörtlich nimmt, wenn es nicht doch extrem cool wirken würde. Bassist Didz Hammond gewann sogar einen Preis des englischen Musik-Magazins NME mit dem Titel "Best Haircut". Ähnlich wirr wie die Sturmfrisuren der Jungs scheint auch Ihre Musik auf den ersten Blick sehr chaotisch zu sein. So brauchte der Erstling "See this through and leave" eine gewisse Phase, bis er sich in die Gehörgänge bohrte. Wenn man sich jedoch erst einmal auf das scheinbare Chaos eingelassen hatte, gab es kein Entkommen mehr vor diesem Genie-Streich. Und die englische Musik-Presse hatte keine andere Wahl, als den Hype, dem sie ja sonst erheblich schneller aufliegen, auch beim Team Cooper anzuwenden. Das war der Klang, den man so auch von Thom Yorke und seinen Radiohead-Jungs bekommen könnte, wenn diese nicht so verkopft an die Sache gehen würden. Und das der Vergleich mit Radiohead nicht hinkt, beweist der Nachschlag, den TCTC jetzt abgeliefert haben. "Kick up the fire, and let the flames break loose" - Der Name ist Programm. Das Chaos ist zwar erheblich homogener ausgefallen als beim Debut, aber dennoch wird hier immer noch ein muskalisches Gewitter entfacht. Die Songwriter-Qualitäten des Sechsers haben sich ohne Frage um einiges weiterentwickelt. Und wie Sänger Ben Gautrey selber zugibt beherrschte die Band ihre Instrumente am Anfang auch noch nicht so gut, wie sie es heute können. Auch die von Dan Fisher (Gitarre) geschriebenen Texte haben sich verändert. Während die erste Platte hauptsächlich einen ironischen Blick auf die englische Mittelschicht geworfen hat, ist das Spektrum nun gewachsen. Aber keine Angst, es geht immer noch um Frust und Wut, der jedoch in witzig-originellen Texten verarbeitet wird. Ähnlich intelligent wie die Texte, ist natürlich auch die Musik vom Team Cooper. Während die erste Single-Auskopplung "Promises Promises" noch ein ziemlich nach vorne preschender Rock-Song ist, scheint das ganze Album auf den ersten Blick erheblich ruhiger ausgefallen zu sein als "See this through...". Aber wie so oft täuscht der erste Blick. Genauso wie die Jungs auf der Bühne eher eine cool-arrogante Ausstrahlung besitzen, so nett und zuvorkommend sind sie doch im Privaten. Und auch auf dem Album brodelt es gewaltig unter der Oberfläche. So beginnt beispielsweise "Music Box" als eher ruhige Ballade, um dann in einem Riff-Inferno zu enden. Und auch der Schluss-Song "Written Apology" fängt eher harmlos an, entwickelt sich dann aber in ein elektronisches Chaos, das einen schon ein wenig verwirrt zurücklassen kann. Da hilft am besten das Album noch mal von vorne zu hören, um sich in den gnadenlosen Strudel der COOPERMANIA hineinziehen zu lassen. Man wird es nicht bereuen. Ebenso sollte man sich einen Live-Gig von The Cooper Temple Clause auf der Ende des Monats anstehenden Tour auf keinen Fall entgehen lassen. Denn Live werden die epochalen Momente einiger Songs erst richtig deutlich, wenn sich die Sound-Gewitter einzelner Songs auf über eine viertel Stunde ausdehnen. Und ausserdem sollte man einfach mal gesehen haben, wie ein Schellenkranz leiden muss, wenn Sänger Ben mal wieder in einen seiner scheinbaren Wahnanfälle verfällt, und den Kranz mit aller Wucht durch die Gegend schmettert.
The Cooper Temple Clause - das bedeutet musikalisch gewordene Chaos-Theorie, und es rockt!

(Joachim Link - Radio Q, Münster)

KÜNSTLER: www.coopertempleclause.co.uk (offizielle Seite), www.thecoopertempleclause.de (offizielle deutsche Seite)
LABEL: www.bmg.de

Anspieltipps

  • The Same Mistakes (# 1)
  • Promises Promises (# 2)
  • Blind Pilots (# 6)
  • A.I.M. (# 7)
  • New Toys (# 3)

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