Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 03/2003

Albumcover

Console
Reset The Preset

Console. Klar, kennt man. Wer in den letzten Jahren nicht zufällig im Koma lag, wird sich sofort an den großartigen Elektro-Pop-Song "14 Zero Zero" erinnern. Und das obwohl der Song niemals in den Charts gehandelt wurde. Dafür war er allerdings in den Chupa Chups Werbespots im Fernsehen zu hören. Selbst Leute, die sonst keine elektronische Musik hören, konnten sich mit dem sehr melodischen Stück anfreunden. Ebenso übrigens mit dem anderen Hit von Console, "Freiburg 3.0", ein Rework eines Titels von Tocotronic, der auch zusammen mit den Tocos enstanden ist.

Der Kopf von Console, Martin Gretschmann, hat es nun geschafft, ein neues Album zusammenzustellen. Was schon recht erstaunlich ist, wenn man bedenkt, dass Gretschmann nebenbei noch eine ganze Menge anderer Projekte am Hals hat. Zum einen ist er Mitglied der Band The Notwist (deren Album "Neon Golden" im letzten Jahr bereits ebenfalls Silberling der Woche war), zum anderen produziert er zwischendurch schon mal Tracks für Björk, Depeche Mode und Aha oder er arbeitet zusammen mit Andreas Ammer an seltsamen Hörspielen.

Das neue Album "Reset the Preset" ist ein Doppelalbum. Die Reset-Seite besteht aus acht Elektro-Pop-Tracks, die mit einer kompletten Band im heimischen Weilheim entstanden sind. Bei der Preset-Seite hat Gretschmann auf einem Laptop in Barcelona einsam und alleine an den acht Ambient-Stücken gebastelt.

Und ich muss gleich sagen: "Preset" finde ich im Vergleich deutlich schwächer und langweiliger. Das liegt daran, dass die seichten Ambient-Tracks für mich eher als Chill-Out-Gedudel nach einem heftigen Diskobesuch zu gebrauchen sind. Wenn man zwar irgendwie geplättet ist, aber auch noch keinen Bock hat, sich sofort ins Bett zu legen. An diesem Teil werden wohl nur Electro/Ambient-Fans Gefallen finden.

Deutlich besser, eingänger, verdaulicher dringt da die "Reset"-Seite in die Gehörgänge. Was natürlich daran liegt, dass die Platte deutlich auf melodischen Pop aus ist. Zunächst fällt auf, dass Gretschmann seinen Stücken jetzt durch Miriam Osterrieder eine Gesangsstimme gönnt. Zusammen mit dem Rest der Band (Christoph Brandner - Schlagzeug, Axel Fischer - Gitarren & Korg, Michael Schwaiger - Bass), sowie Roberto Di Goia als Co-Autor und Mario Thaler als Produzent sind hier einige durchaus charttaugliche Stücke entstanden.

Wirklich großartig ist zum Beispiel gleich die erste Singleauskopplung "Suck and Run", die wie schon "14 Zero Zero" und "Freiburg 3.0" mit einem ästetisch wertvollen Musikvideo daherkommt. Ähnlich gelungen ist der Ohrwurm "Surfin Atari", den man gleich automatisch mit Kopfwippen begleitet. Nicht mehr tanzbar, aber immer noch hörbar, sind ruhige Stücke wie "The Times They Are Not A-Changin" oder "A+A=B", die hauptsächlich durch die verlorene Stimme von Miriam Osterrieder funktionieren. Seltsam lustig kommt der Opener der Scheibe daher – "Your God Eats Me!" – in dem nur Zahlen gesungen werden. Angeblich steckt da ein Code hinter, der dem Song einen Sinn gibt, aber ich habe mich noch nicht näher mit den Zahlen beschäftigt.

Die Doppel-CD ist im Grunde eine recht intelligent angelegte Scheibe. Die Electro-Fans bekommen mit der "Preset" ihr gewohnt-gewolltes Ambient-Gefrickel. Alle anderen können sich mit der "Reset" an Gretschmanns Weiterentwicklung seines Elektro-Pop-Faibles erfreuen. So ist jeder zufrieden.

Wäre noch zu erwähnen, dass sich Gretschmann für die Promo-CDs verschiedene Computer-Stimmen ausgedacht hat, die während der Stücke dazwischen labern und darauf hnweisen, dass es sich hierbei nur um eine Promo-CD handelt. Anfangs konnte ich die Stimmen nicht ausstehen, weil sie die Songs zerstören, allerdings sprechen die Charaktäre miteinander und streiten sich und dissen sich sogar. Mittlerweile habe ich mich an die Stimmen gewöhnt und finde die Idee sogar ganz nett. Wirkliche Console-Fans sollten sich also mal die Promo-CD besorgen, vielleicht können sie den Figuren auch etwas abgewinnen.

(Text: Nicolai Schwarz, elDOradio 93.0)

HOMEPAGE: www.console.li / LABEL: www.virgin.de

Anspieltipps

  • RESET, Track 6, "Suck and Run"
  • RESET, Track 8, "A+A=B"
  • RESET, Track 2, "Surfin Atari"
  • RESET, Track 4, "Dirt On The Wire"
  • RESET, Track 5, "The Times They Are Not A-Changin"

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