Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 13/2014

Cover: Cloud Nothings - Here And Nowhere Else

Cloud Nothings
Here And Nowhere Else

 Der Werdegang der Cloud Nothings ist alles andere als alltäglich. Dylan Baldi startete anfangs unter diesem Namen eine Solo-Karriere und nahm gleichsam im Alleingang die ersten beiden Alben auf. Erst danach wuchs das Projekt auf Bandstärke heran, mit seiner Live-Mannschaft veröffentlichte er schließlich das vor zwei Jahren hochgelobte „Attack On Memory“. Der Weg ging hinaus aus experimentellen Lo-Fi-Spielereien hin zu einer 1:1-Übersetzung des rauen Livesounds in eine konzentrierte halbe Stunde Explosivität.

 
Genau dort setzt auch „Here And Nowhere Else“ wieder an. Der Opener „Now Hear In“ lebt von seiner Melodik, seinen donnernden Gitarren-Riffs und seinen hämmernden Drums. Obwohl der Song auch perfekt auf das Vorgänger-Album gepasst hätte, wird schnell klar, dass der letzte Hauch Selbstzweifel, die letzte Teenage Angst, die in den letzten Jahren immer wieder aufblitzten, endgültig verflogen sind. Die Atmosphäre ist bis zum Anschlag gespannt und hochexplosiv. Hier ist alles genau austariert, jedes weitere unbedacht hinzugefügte Element würde den Sound zum Einsturz bringen. Eine unbegründete Sorge, denn die Band weiß genau, wo ihre große Stärke liegt. Dass vieles ähnlich strukturiert ist, tut dieser Atmosphäre keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Denn auch über nur eine halbe Stunde Spielzeit ist der Anspruch, zu keiner Sekunde von diesem treibenden und pulsierenden Sound abzuweichen, nicht hoch genug einzuschätzen. Es bleibt keine Zeit zum Durchatmen, Dissonanzen prallen auf Eingängigkeit, es zündelt und kracht ununterbrochen. 
 
Von einer „Weiterentwicklung“ zu sprechen, wäre maßlos übertrieben, was sich hier jedoch als Glücksfall herausstellt. Die Band hat ihren erfolgreichen Sound, der nur etwas lässiger und selbstbewusster klingt, weitestgehend unangetastet gelassen und den Songs gleichzeitig minimal mehr Pop-Punk-Appeal verliehen. Ästhetisch noch überdeutlich im Post-Hardcore à la Fugazi verwurzelt, ist es umso erstaunlicher, wie es den Cloud Nothings bei ausnahmslos jedem Stück gelingt, eine markante Melodie zu platzieren. Das passiert nicht immer so prominent wie bei  „Psychic Trauma“, das nach einer schleppenden Minuten immer mehr Tempo aufnimmt und bis zum Ende den Fuß nicht mehr vom Gaspedal nimmt. Doch zu finden sind sie überall, selbst beim verschrobensten Beitrag, dem Sieben-Minüter „Pattern Walks", der zum Ende hin gar fröhlich und regelrecht beschwingt daherkommt.
 
Dass die Texte von dieser musikalischen Wucht vollkommen in den Hintergrund geraten, ist dabei nur allzu verständlich und vielleicht sogar gewollt. Dylan Baldi war noch nie ein Bob Dylan und nach seinem vierten Album stellt sich langsam der Verdacht ein, dass er es wohl auch nie sein wird. Auf der anderen Seite ist zu berücksichtigen, dass er gerade Anfang 20 ist. Ein Alter also, in dem allzu einfache Teenager-Lyrik über Selbstfindung oder zerbrochene Beziehungen noch verzeihbar ist. (Felix Lammert-Siepmann, eldoradio*)

Anspieltipps

I'm Not Part Of Me, #8
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Now Hear In, #1
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Quieter Today, #2
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No Thoughts, #6
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Psychic Trauma, #3
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