Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 21/2013

Albumcover

Classixx
Hanging Gardens

Indietronics - diese ambivalente Wortschöpfung ist mittlerweile auf jedem Flyer zu lesen, mit dem man uns attackiert. Die Spex nannte es vor rund einem Jahrzehnt Datapop, die einen definierten elektronische Popmusik eben als Indietronics. Begriffliche Konturen für diesen bestimmten Zweig von Tanzmusik zu finden, fällt noch heute schwer. Es scheint sich um eine Synthese zu handeln. Doch woraus? "Indie" weist heutzutage immer mehr elektronische Momente auf. Vor allem in Zeiten, in denen sich wieder an den 80ern orientiert wird - was nicht erst seit Bands wie Hot Chip und Holy Ghost und den zahlreichen Vorzeige-Acts auf den Kitsuné-Samplern bekannt ist.

Von Philipp Kressmann, CT das radio

Auf jeden Fall kann formal betrachtet eine Schnittstelle zwischen Songwriting und Tanzflächenfokus vorliegen (wie zahlreiche Tronics-Varianten eigentlicher Indiesongs belegen). In dieser Nische bewegt sich auch das DJ-Gespann Classixx aus Los Angeles. Im Wissen darum, dass die Bezeichnung "Electronics" - das zweite Glied der hier bereits als dubiosen eingestuften Begriffskomposition - ebenso fragwürdig ist. Im Fall von Classixx heißt das: Der Fokus liegt auf Songs, für deren Lyrics-Sequenzen nicht nur gesampelt, sondern auch ein wenig Songwriting (eingeladen wurden unter anderem Jeppe und Nancy Whang) betrieben wurde. Zweitens: Es geht um Songstrukturen, die rein äußerlich zwar dem typischen Indietronics-Gerüst (Beats und Claps wechseln sich in doch recht vorhersehbaren 123-BPM-Schemata ab) entsprechen, aber auch oftmals in Richtung House und Dreampop schielen. 

Ersteres beispielsweise in dem von Claps dominierten "Dominoes", Letzteres in dem luftig seichtem "Long Lost" oder dem hallig verträumt und subtil exotisch inszenierten "A Fax From The Beach", bei dem sich Glitzerstaub von der gerade überstandenen Partynacht und Schlafsand kreuzen. Synthieverliebt präsentiert sich das Duo in der Nummer "All You're Waiting For" und auch die spritzige Funk-Ouvertüre "I'll Get You" hält, was sie verspricht und "Jozi's Fire" - das ohnehin schon Trance-lastigste Stück der Platte - setzt mit seinem Sample von Dan Hartmans Klassiker "Relight My Fire" von noch einen drauf - von den technoiden Vibes auf "Rhytm Santa Clara" ganz abgesehen.

Classixx schaffen es, sich abzuheben. Unter anderem der Titeltrack, der das Album eröffnet, beginnt mit atmosphärischen Sounds, zu denen sich dann langsam subtile Handclaps gesellen. Erst nach fast drei Minuten kulminiert der Song in ein Beatinferno mit quietschenden Synthiesolos. Selten war Elektropop so melodisch tanztauglich und zugleich dermaßen feinfühlig komponiert. Trotzdem ist das alles noch ein wenig zu innovationslos, um als Future-Pop verortet werden zu können. Den Beinen - wichtige Elemente des menschlichen Körpers - ist das egal. Fest steht: Mit dieser Platte wird man eine Menge Spaß haben.

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Anspieltipps

Holding On, #3
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I'll Get You, #9
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All You're Waiting For, #2
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A Stranger Love, #8
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Long Lost, #7
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