Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 05/2006

Albumcover

Clap Your Hands Say Yeah
Clap Your Hands Say Yeah

Kennt Ihr eigentlich noch die guten alten Zeiten? Wenigstens aus dem Fernsehen? Die U.S.A Ende der siebziger Jahre. Erdnussfarmer Jim Carter war Präsident dieses damals liberalen Landes. Vielleicht habt Ihr ja "Zoff in Beverly Hills gesehen", ich meine mit Nick Nolte als notorischen Stadtstreicher in der Hauptrolle, der eine gut situierte Familie therapiert und Bette Middler zwischenzeitlich den Rücken. Nicht gesehen? Unbedingt anschauen. Schon wegen der Filmmusik. "Once In A Lifetime", dargeboten von David Byrne mit seinen Talking Heads passte genau hierhin. Und round about 25 Jahre später das gleiche Phänomen. Diesmal an der Ostküste. Ein Track zu einem Film haben Clap Your Hands Say Yeah noch nicht beigesteuert. Kommt aber noch, wetten?

Clap Your Hands Say Yeah sind sicherlich wie viele andere gute Bands vom Melting Pot inspiriert worden. Ihr Talent, ihre Coolness und ihr Sänger besorgen den Rest, damit das keine Kurzzeiterscheinung bleibt. Aber ihre Platte, die genregrenzenlos tanzbar ist, verlangt zwei bis drei Mal in voller Länge genossen zu werden. Warum ich Euch das erzähle? Weil Sänger Alec Ounsworth, Lee und Tyler Sargent, Robbie Guertin und Sean Greenhalgh den Dreh haben, entfernt oder manchmal auch nah dran - aber dann immer noch unverwechselbar - nach Tom Waits, Velvet Underground, Nick Cave, den Talking Heads zu klingen und dabei ungeschliffen nach Garage. Eine Quadratur des Kreises? Keineswegs

Die Geschichte der Band aus Williamsburg/Brooklyn ist recht schnell erzählt. Die Band hat Geld zur Seite gelegt und in Eigenregie das Debubalbum produziert. Live überzeugen sie restlos, die Scheiben verkaufen sich aus der heimischen Wohnzimmer ohne Label und Promotion wie warme Semmeln, die Kommunikationswege funktionieren. Und der Weg ins alte Europa Gott Sei Dank auch. Bereits im Februar habt Ihr Gelegenheit, die Band live in Köln und anderswo zu sehen.

Das Album beginnt erklärenderweise mit dem Titelstück, ein Akkordeon, eine Orgel und Jahrmarktsatmosphäre, eine Einstimmung. Danach nehmen CYHSY Fahrt auf; der Rocker "Let The Cool Goddess Rust Away" erinnert an die kreativen Achtziger, während darauf folgende Stücke wie "Over And Over Again" oder "The Skin Of My Yellow Country Teeth" zum ungezügelten Abtanzen auffordern. Der akzentuierten Stimme von Alec Ounsworth ist Mann/Frau schnell verfallen. Der zweite Teil dieser CD ist nicht minder verführerisch und vielseitig. CYHSY haben den ungezügelten Folk in "Heavy Metal", gefolgt von "Blue Turning Grey", einem Instrumental wie aus Wim Wenders "Paris, Texas". Poesie, Melancholie und hymnische Gitarrenwände wie in "In This Home On Ice" lassen keine überraschende Wendung aus.

Einziger Wermutstropfen. Der Longplayer hätte noch zwei Stücke mehr vertragen können. Also auf "Repeat" drücken. Eine gute Flasche Rotwein entkorken. Und dann schaue ich mir "Zoff in…, ihr wisst schon" an. That´s Entertainment. Really! (Heiko Brosig, osradio 104,8)

Künstler: http://www.clapyourhandssayyeah.com | Label: http://www.v2music.com

Anspieltipps

  • Is This Love, #7
  • In This Home On Ice, #10
  • Details Of The War, #5
  • The Skin Of My Yellow Country Teeth, #6
  • Upon This Tidal Wave Of Young Blood, #12

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