Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 48/2007

Albumcover

Chikinki
Brace, Brace

Es war einmal vor vielen, vielen Jahren in Bristol, einer kleinen Stadt in England, ein Freundeskreis, der beschloss eine WG zu gründen. Da wohnten dann fünf Männer glücklich zusammen. Sie hatten ganz viel Langeweile und wahrscheinlich einen WG-üblichen riesen Berg an dreckigem Geschirr, aber eben auch ein paar Musikinstrumente. So oder so ähnlich begannen die Mitbewohner nicht nur zusammen zu leben, sondern auch zusammen zu musizieren. Dann musste noch ein schöner Name gefunden werden. Am besten einen den keiner raussprechen kann, wie wär´s mit Chikinki? Wenn sie die Band damals schon ernst genommen hätten, hätten sie sich wohl einen anderen Namen gegeben.
Dann war da noch die Frage nach den Instrumenten. Einen Bass sollte es nicht geben, dass hatten doch auch schon andere Bands ohne geschafft. Und zwei Synthies quietschen besser als eins. Man muss ja aus dem Mob der Bristoler Bands herausstechen. Nach einigen Proben wurden erste Auftritte selbst organisiert und man stellte sich einem Live-Publikum. Doch wie würden sie ankommen?

Heute wissen wir: verdammt gut! Denn in diesen Tagen veröffentlichen sie ihr zweites Album. Sie haben es liebevoll "Brace, Brace" getauft. Mittlerweile müssen sie ihre Konzerte auch nicht mehr selbst organisieren. Geblieben ist die Freundschaft und die Liebe zur Musik. Obwohl sie unermüdlich durch Europa touren, sagen sie noch immer, dass sie für diese Live-Auftritte leben. Wenn man mal auf einem Chikinki-Konzert war, kann man dies bestätigen. Da verzeiht man Rupert Browne, dass er der wohl größte Poser unter der Sonne ist.

Ihr Erstling "Lick Your Ticket" war noch deutlich eloktroider. Auf "Brace, Brace" findet man dafür einen Ohrwurm nach dem anderen. Sehr eingängiger Indiepop, der aber nicht in dem Stil "ins eine Ohr rein, zum anderen wieder raus" aufgebaut ist, sondern ins Ohr rein, durch den Bauch, ab in die Füße und rauf auf die Tanzfläche. Sie liegen irgendwo zwischen Hardrock und Techno. Nehmen wir zum Beispiel den ersten Track des Albums. "Sunrise" beginnt und unwillkürlich wippt auch schon ein Bein mit, spätestens beim Refrain sind Kopf und Arme mit in der Wippbewegung. Nun ist man schon leicht ins Schwitzen gekommen und schon legen Chikinki mit "You Said" nach. Man kommt kaum noch zur Ruhe, da ein Ohrwurm den anderen jagt, die aber nicht ganz so offensichtlich und überdreht daherkommen, wie viele Songs ihrer englischen Kollegen. Vielleicht auch, weil der Sound der Platte leider ein bisschen undifferenziert klingt. "You Make It Look Easy" ist die Mitte des Albums und die erste und einzige Verschnaufpause, die einem gegönnt wird. Endlich kurz aufs Sofa zurückfallen lassen, schnell unter die Decke schlüpfen und sich bewusst machen, dass das Leben nicht immer eine einzige Indieparty ist. Die Melancholie verfliegt aber schon beim nächsten Track und spätestens bei "Oh My God" ist man wieder am Durchdrehen.

Eine 5er WG erobert die Plattenläden und die Tanzflächen dieser Indiewelt und wenn die Fünf noch nicht an Erschöpfung gestorben sind, dann leben und touren sie noch heute. (Maleen Mohr, Radio Q)

VÖ: 23.11.2007

Band: http://www.chikinki.co.uk | Label: http://www.weekenderrecords.de

Anspieltipps

  • Hello, Hello, Tr. 7
  • You Make It Look Easy, Tr. 8
  • You Said, Tr. 2
  • A Little Time, Tr. 4
  • Oh my God, Tr. 13

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