Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 16/2003

Albumcover

Cave In
Antenna

Mit manchen Rockbands ist das so eine Sache. Erst sind sie hart und werden dann weicher. Darum sagt die Presse ihnen Weiterentwicklung nach und schon kennt man die Bands aus den Clipkanälen, aus der Disco, vom Titel eines Magazins und von der Hauptbühne der ganz großen Festivals. Bei Cave In ist das anders. Obwohl sie nicht schlechter sind als all die andern, die mit ihrer Mischung aus Härte und Melodie genau den Nerv der Zeit und des selbsternannten Alternative-Publikums getroffen haben und immer noch treffen.

Cave In’s Geschichte begann vor acht Jahren in Methuen/Massachusetts. Damals tobten sich ein paar Fünfzehnjährige an ihren Instrumenten aus und fabrizierten zornigem Metal und einen Gesang, der eigentlich mehr Geschrei war. Dem interessierten – aber auch leider anscheinend ziemlich intoleranten - Publikum gefiel’s, bis die Band im Jahr 2000 mit dem Album „Jupiter“ die Grundlage schuf für Melodien, Vielseitigkeit und einen kompakteren Sound. Während die, die das nicht verstanden sich von der Band abwendeten, gingen Cave In den angefangenen Weg weiter und nahmen mit „Antenna“ eine neue Platte für ein neues Label auf.

Mit „Antenna“ ist das so wie mit einem Lynch-Film: man hört das Album wieder und wieder, man würde so gerne verstehen, wie alles zusammenhängt und was da alles auf einen einprasselt, aber selbst nach dem 12. Durchlauf erschließen sich noch Effekte, die man vorher nur am Rande zur Kenntnis genommen hatte. Cave In brauchen keine Schonzeit und ziehen das Tempo vom ersten Moment an, wobei sie sich sofort als fantastische Musiker erweisen: Schon der Opener „Stained Silver“ hat ein so prägnantes, auf-den-Punkt-kommendes Gitarrenriff, so dass die Dynamik und der Druck, der hinter dieser Band steht, bereits in den ersten Momenten deutlich werden. „Inspire“, der 2. Song schlägt mit seinen dichten Gitarrensounds in eine ähnliche Kerbe und schon ertappt man sich beim Schubladen-Denken: alles klar, schon mal gehört, Deftones, Tool, oder im aktuellen Fall Chevelle und so weiter, aber bevor man es sich damit zu einfach macht, drehen Cave In sich noch einmal um 180 Grad. Weiter geht es mit der treibenden, Emopop-Nummer „Anchor“, die sich über einen besonders treibenden Refrain freuen kann. Songs wie „Joy Opposites“, das neunminütige Epos „Seafrost“, oder „Youth Overrided“ erinnern mit ihren schwebenden Gitarrensounds an kalifornische Sonne und noch mehr an das letzte Incubus-Album, wozu sicherlich auch der Gesang von Stephen Brodsky beiträgt. Bei „Beautiful Son“ versteht nun wirklich kein Mensch mehr, wie diese Band jemals Metal gespielt haben soll, denn kämen die Jungs nicht von der US-Westküste könnte man glatt sie bei diesem Song glatt mit dem next big thing aus Großbritannien verwechseln. Und für diese Vielfalt braucht es nur eine einzige Platte und 12 Songs.

Mag sein, dass Cave In mit diesem Album nicht die Unverwechselbarkeit neu definieren und man das alles schon mal irgendwo gehört hat. Vielleicht mag man ihnen sogar vorwerfen, sie könnten sich nicht wirklich für ein Linie entscheiden und würden lieber alles ausprobieren, als sich auf einen Sound zu konzentrieren. Aber was zählt ist, dass „Antenna“ ein Album ist, das vielseitig und intelligent klingt – und nicht auf billige Effekthascherei und plakative Innovation setzt. Das soll reichen, um einzusehen, dass das hier etwas ganz Großes ist. Auch ohne Hype.

(Text: Laura Scheiter, c.t.-das Radio, Bochum)

Anspieltipps

  • „Anchor”
  • „Stained Silver“
  • „Beautiful Son“
  • „Youth Overrided“
  • „Penny Racer“

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