Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 12/2008

Albumcover

Cadence Weapon
Afterparty Babies

Im Westen Kanadas, nördlich von Calgary, liegt Edmonton, Hauptstadt des Bundesstaates Alberta. Im Mai treffen sich dort David Beckham´s Team L.A. Galaxy und die Vancouver Whitecaps. Ob auch Rollie Pemberton im Stadion ist, darüber kann man nur spekulieren. Sicher ist aber, dass die neue LP von Rollie Pemberton, dem Rapper von Cadence Weapon, dieser Tage in Deutschland erscheint und das ist sicherlich erwähnenswerter als ein ausgemusterter Fußballprofi mit schicker Lady an der Hand. Cadence Weapon ist auf diesem Kontinent sicher noch nicht so bekannt wie in der Heimat, wo er gleich mit seinem Debüt für das beste Album des Jahres nominiert war. Aber mit dem Zweitwerk „Afterparty Babies“ hat er künstlerisch einen weiteren Schritt nach vorne gemacht.

Der Einstieg mit "Do I Miss My Friend" ist leider sehr zäh. Wenn man aber erst einmal fünf Minuten vokales M-bab überstanden hat geht es anständig zur Sache: “My Dad said I was an afterparty baby; this goes out to all the accidents out there; keep on making mistakes!” Die Welt – nur ein Versehen. Jegliche Regel scheint somit überflüssig und fortan wirft der junge Kanadier jegliche Genregrenzen über Bord. Spielend leicht schafft Cadence Weapon eine Symbiose aus Hip Hop, Elektronika, Rock und Disco House, die immer aufregend und wild ausfällt. Besonders Fans von Busdriver oder Kool Keith dürften sich über diese Scheibe freuen. Für einen entspannten Abend eignet sich das Teil dagegen so wie Duftkerzen für die Waschmaschine. Gar nicht.

Bei "In Search Of the Youth Crew" darf man auch zur Sicherheit direkt den Volume-Knopf bis zum Anschlag aufdrehen um die pumpenden, 80er Beats voll zu genießen. Hier wird außschließlich mit wohlklingenden Synthezisern gearbeitet und auch gern mal "Blowing in the Wind" von Bob Dylan zitiert. Überhaupt scheint Cadence sich durch die meterlange Plattensammlung seines Vaters gefressen zu haben. Mit extra großen Löffeln. Nicht nur stilistisch springt er über Jahrzehnte, auch ist „Afterparty Babies“ ein Könner im Verweise stecken. Zappa, Ian Curtis, A Tribe Called Quest. Man könnte aus diesem Album auch ein Suchspiel machen.

Die Percussions kommen nicht zu kurz beim Loop zu "Real Estate". Lyrisch dagegen sinniert Mr. Pemberton über das Dasein als Immobilien-Makler. Die Cuts dazu steuert das zweite Teammitgleid von Cadence Weapon, DJ Weez-L bei. Die lokale Tätowierer-Szene dürfte nach dem gelungenen "Tattoos ( And What They Really Fell Like)" ein paar Umsatzeinbußen erleiden, obwohl die Ansichten von Rollie im Bezug auf Tätowierungen natürlich eher persönlicher Natur sind. Zuhören ersetzt hier gleich die ganze Szeneliteratur. Detailverliebt zeigt sich auch der Beat zu "Getting Dumb". Hier haben die Jungs im Studio alles ausgepackt was Knöpfe hat – und das ist eine Menge, denn vom MPC bis zum Stereoexpander kommt alles zum Einsatz. Trotzdem wirkt der Sound nur selten überladen und als geneigter Hörer bemerkt man beim mehrfachen Durchhören immer neue Kleinigkeiten, die begeistern.

Mit der digitalen Single "House Music" geht es Uptempo weiter und an Kardio-Patienten hat das Duo dabei sicher nicht gedacht, denn dieser Track fällt unbestritten in die Kategorie „Club-Tunes“. Über fünf Minuten geben sich hier die Beats die Klinke in die Hand, aber die Konstante bleib der Rap von R. Pemberton: "You now what I´m talking bout when it´s time to rock about ... stop now I´m the House" – es kann eben nicht immer auf hohem Niveau getextet werden, wenn der Tanzspaß nicht zu kurz kommen soll.

Knapp eine Stunde irrsinnige Beats aus drei Jahrzehnten, intelligente Wortgewalt und schamloses Genrehopping. Auch wenn am Schluss ein wenig die richtig guten Ideen ausgehen, lohnt dieses äußerst tanzbare HipHop-Album. Übrigens durchaus auch für Musikliebhaber, denen es vor Schlabberhosen und loderndem Ghettofeuer graut. Cadence Weapon bedient keine Klischees, Cadence Weapon: funktioniert. Aber nicht wundern wenn der DJ im Lieblingsclub die Scheibe noch nicht im Repertoire hat. Es dauert bestimmt noch eine Weile bis die Jungs hier angekommen sind. (Florian Dudda, CT das radio)

VÖ 21.03.2008

Künstler: http://www.cadenceweaponmusic.com | Label: http://www.bigdada.com

Anspieltipps

  • In Search Of the Youth Crew, 02
  • House Music, 12
  • Tattoos ( And What They Really Feel Like) , 09
  • Getting Dumb , 11
  • Unsuccessful Clubnights, 13

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