Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 10/2007

Albumcover

Busdriver
Roadkill Overcoat

Schon immer bereitet er den Marketingstrategen Kopfschmerzen. Busdriver stemmt ganz einfach die Schubladen jedes Mal erneut auf, in die er gesteckt wird. Beim HipHop fühlte der Wortakrobat aus Los Angeles eigentlich ganz wohl – bis er gemerkt hat, dass viele der typischen HipHopper kaum etwas mit seinem Stil anfangen können. Er hat so etwas wie ein Zielgruppenproblem. In der Vergangenheit nahm er gar ein ganzes Album zusammen mit Daedelus auf, der vor allem für seine unzugänglichen und von elektronischen Sounds beeinflussten Produktionen bekannt ist. Busdriver, was ist schon immer mehr als bloß HipHop.

Sein neues Album erscheint beim legendären Punkrock-Label Epitaph, das sich allerdings auch nie dem Rap verschloss, wie das Signing von Atmosphere im Jahr 2003 zu ihrem Album "Seven´s Travels" bewies. Allein diese Tatsache ist für Busdriver schon ein Erfolg, da er in der Vergangenheit bloß bei kleinen Labels unter Vertrag stand. Bei seinen ersten zwei Alben traute sich sogar weit und breit kein Label den Rapper unter seine Fittiche zu nehmen, was zur Folge hatte, das er sein Debüt "Memoirs Of The Elephant Man" einfach ohne Label im Eigenvertrieb veröffentlichte und für den Nachfolger, "Temporary Forever", kurzer Hand sein eigenes Label gründete, um zumindest einige Einnahmen einzuheimsen. Das mit der zielgruppengerechten Vermarktung hat er eh nie verstanden.

Es ist das kontrollierte Chaos, auf das Busdriver auf „Roadkill Overcoat“ hinaus möchte. Hierfür wurde die vertrackte Schiene ein wenig in begradigtere Bahnen gelenkt. Von "Sellout" oder Ähnlichem kann trotzdem beileibe nicht die Rede sein, da sein Werk wie immer in alle Richtungen stiebt. Das ist"Sun Shower", der eher tanzwütige Indie-Popper ansprechen soll oder "Go Slow", das vielmehr zum versinken in einem gefederten Sofa als zum Kopfnicken einlädt. Das Album eine ganze Spur mainstreamiger machen dann aber Tracks wie "The Troglodyte Wins", ein auf einem hochgepitchten Vocal-Sample basiert oder "Secret Skin", dessen Beat besonders melodisch ausgefallen ist. Ohnehin ist die Reduktion der meisten Tracks auf ein mittleres Tempo schon ein Indiz dafür, dass die Entwicklung von unheimlich schnellen, vertrackten Beats und Reimen in Höchstgeschwindigkeit hin zur Struktur vorantreibt. Mit Busdriver lässt sich aber auch gut Party machen, wie das eigentlich gesellschaftskritische, aber trotzdem unheimlich bouncende "Kill Your Employer (Recreational Paranoia Is The Sport Of Now)" oder der Opener "Casting Agents And Cowgirls" beweisen. Und bei all diesem Facettenreichtum ist es eigentlich auch egal, wer dieses gelungene Album hört. Egal, ob HipHopper, Indie-Rocker oder auch nur ein Mensch mit offenen Ohren für gewagte Musik. (Patrick Cavaleiro, hochschulradio düsseldorf)

VÖ: 16.02.2007

Künstler: http://www.busdriversite.com | Label: http://www.epitaph.com

Anspieltipps

  • Kill Your Employer, Track 3
  • The Troglodyte Wins, Track 8
  • Go Slow, Track 7
  • Less Yes´s, More No´s, Track 2
  • Sun Shower, Track 6

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