Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 22/2008

Albumcover

Bon Iver
For Emma, Forever Ago

Bon Iver alias Justin Vernon stammt aus Wisconsin. 2006 ist er in die Wälder seiner Heimat ausgezogen. Als er ging, hatte er nur seine Instrumente im Gepäck - als er wieder zurück kam, seine Instrumente und sein erstes Solo-Album „For Emma, Forever Ago“. Wer jetzt aus dem Albumtitel schließen möchte, der Künstler hätte seine Musik einem Mädchen gewidmet, wird erst einmal enttäuscht: Bei „Emma“ handelt es sich nicht um eine verflossene Liebe oder eine alte Freundin. Bon Iver meint damit die zerbrochenen erste Liebe im Allgemeinen, und überhaupt ist Liebe das zentrale Thema der Platte. Die hat bekanntlich nicht nur gute Seiten - und genau das besingt Bon Iver in seinen Songs.

Eigentlich kommt "For Emma, Forever Ago" zur gänzlich falschen Jahreszeit: Das Album ist für eine Sommerplatte eher untypisch, es klingt eigentlich gar nicht nach Sommer - und dennoch erfüllt es an einem ruhigen Abend draußen auf der Wiese seinen Zweck. Neben sphärischen Klängen wie bei „Lump Sum“ dominieren in den Songs vor allem die Gitarre und die Stimme von Justin Vernon - wie sollte es auch anderes sein bei einem Singer/Songwriter? Der Opener des Albums heißt „Flume“ und erinnert doch sehr an Saint Thomas, was schlicht und einfach daran liegt, dass beide sehr ähnliche Stimmen haben: Sie sind sanft und zerbrechlich, aber dennoch transportieren sie eine enorme Willensstärke.

Willensstärke bewies Bon Iver auch bei der Aufnahme seines Albums. Alle Songs schrieb er einsam und allein in einer Jagdhütte - und zeichnete sie dort auch auf. Genau dieser Jagdhütten-, Lagerfeuer- und Einzelgängercharme ist es auch, der die CD so liebenswert macht. Reichlich Melancholie, Traurigkeit und dazwischen dann doch auch immer noch Hoffnung - genau diese Gefühle trifft das Album beim Hören mühelos im Kern. Ganz so einfach und ursprünglich wie auf den ersten Blick waren die Umstände bei der Aufnahme dann aber doch nicht. So hatte Bon Iver, wie sich Justin Vernon seit seiner Rückkehr nennt, immerhin Strom in seiner Jagdhütte. Und ohne den hätte er die produktionstechnischen Anforderungen des 21. Jahrhunderts wohl auch kaum erfüllen können. Außerdem brauchte er ihn allein schon für die elektrische Gitarre, die man trotz aller akustischen Finessen auf „For Emma, Forever Ago“ immer mal wieder hören kann. Daneben geben sich in den Songs aber auch Marschtrommel, Trompete oder Posaune die Ehre, die man sonst auf einem Singer/Songwriter-Album ja eher selten antreffen kann. Damit nicht genug: Vernon legte mehrere Stimmen übereinander, verwendete Computerkrach und andere Geräusche für die Produktion. An Bon Iver ist eben vieles irgendwie ungewöhnlich. Seine Charakter. Seine Musik. Und eben auch sein Album, das er da mitgebracht hat - so mitten aus dem Wald... (Maleen Mohr, Radio Q)

VÖ: 16.05.2008

Künstler: http://virb.com/boniver | Label: http://www.4ad.com

Anspieltipps

  • „re: stacks", Track 9
  • „The Wolves (Act I and II)“, Track 4
  • „Creature Fear", Track 6
  • "Skinny Love", Track 3
  • "For Emma", Track 8

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