Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 07/2014

Cover: Bombay Bicycle Club - So Long, See You Tomorrow

Bombay Bicycle Club
So Long, See You Tomorrow

 

Existiert er wirklich, der Fahrradclub in Mumbai? Spätestens seit dem neuen Album der britischen Band „Bombay Bicycle Club“ müssten sie in Indien einen eröffnen. Mit dem neuen Album machen die vier Londoner ihrem Namen alle Ehre. Und das Beste daran – es ist tatsächlich auf einer Fahrradreise entstanden. „So Long, See You Tomorrow“ strotzt nur vor dancigen Bollywood-Samples und exotischen und symphonischen Instrumenten. Es entfaltet eine Farbenpracht, die in der einheitlichen, durch Instagram-Filter geprägten Pop-Landschaft ungewohnt erscheint. Nach drei Indie-Rock-Alben weiten Bombay Bicycle Club auf der neuen Platte aber vor allem ihre elektronische Seite aus.
 
Das Gitarre-Bass-Schlagzeug-Gerüst tritt in den Hintergrund. Helle elektronische Brechungen dominieren das vierte Album der Briten und stellen einen Kontrast zu den fetten Synthie-Bässen und leicht retro klingenden Beats her.Die folkigen Einflüsse sind dieses Mal in unmittelbaren Erfahrungen begründet. Frontmann und Songwriter Jack Steadman sammelte Inspirationen in Indien, Malaysia, in der Türkei, in Tokyo und – in den Niederlanden. Dafür haben sich Bombay Bicycle Club mit 18 Monaten für die Produktion auch etwas mehr Zeit gelassen als sonst. Nach drei Studioalben fühlten sich die vier Londoner bereit, bei ihrem Album auch selbst Regie zu führen.
 
Auf „So Long, See You Tomorrow“ findet man nicht so viele elektrisierte Gitarren, dafür elektrische Sound und elektrisierende Beats. Die erste Single „Carry Me“ hat fast etwas Minimalistisches mit den unaufhörlichen Gesang-Loops, die langsam, Schicht für Schicht durch andere elektronische Schemata aufgefüllt werden. Der sonst eher groovige Klang der Gitarre verändert sich zum flachen gebetsartigen Quengeln einer Sitar. Die klangliche Fülle machen auch die Support-Sängerinnen Lucy Rose, auf „Carry Me“ und „It's Alright Now“ zu hören, und Rae Morris („Overdone“ und „Luna“) aus. Das besondere Ambiente entsteht aber vor allem durch die Bollywood-Samples auf „Overdone“, „Feel“ und „Luna“. Die Paarung mit einzelnen Riffs des Gitarristen Jamie McColl und den hellen Synthie-Melodien verleihen dem Album ein eigenes dennoch massentaugliches Gesicht. „Luna“ und „Overdone“ laden mit einer eher konventionellen Struktur zum Mitsingen ein.
 
„So Long See You Tomorrow“ ist mehrdimensional und bunt. Dabei sehen die vier Engländer gar nicht bunt aus, eher wie eine waschechte Nerd-Clique – nicht die mit den Ray-Ban-Nerdbrillen – sondern die echte. Trotz ihrer hipsteresken Londoner Herkunft und der Schwarz-Weiß-Bilder – den Jungs kauft man ihre Ernsthaftigkeit ab. Jedes Lied hat einen eigenen Einschlag – während „Overdone“ eher eine Reminiszenz an den gitarrenlastigen Sound von einst darstellt, entwickeln Bombay Bicycle Club mit „Feel“ eine lockere Tanznummer. Rund ist das neue Werk allemal – alles beherrscht die Symbiose aus analog und digital. Bombay Bicycle Club ziehen einen Kreis, alles ist eine Einheit, im Kleinen wie im Großen – Ohm. (Anna Chernomordik - eldoradio*)

 

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Anspieltipps

Carry Me, #3
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Feel, #8
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It's Alright Now, #2
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Luna, #6
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Overdone, #1
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