Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 47/2013

Cover: Blood Orange - Cupid Deluxe

Blood Orange
Cupid Deluxe

 

Devonté Hynes ist ein echtes urbanes Original. Auch wenn er es in England lange ausgehalten hat. Dieses Mal ist aber nicht das Wetter schuld. Hynes ist auch nicht auf das Land gezogen, sondern ins Indie-Zentrum der Staaten, New York City. Auch wenn die Weichen sicherlich durch seine Produktionsvorlieben - unter anderem Solange Knowles oder Sky Ferreira und für diverse Remixe auch Pheonix - schon gestellt schienen, in NYC hat er sich dann endgültig mit R´n´B infiziert. So sind nicht nur die Gitarren auf "Cupid Deluxe" flüssiger geworden als auf dem Debüt.
 
Der Nachfolger vereint jetzt auch Soulelemente und Indiepop, ohne sich dabei zu weit dehnen zu müssen. Musterbeispiele sind da neben dem groovigen "You´re Not Good Enough" auch das spritzige "Uncle Ace" oder "Time Will Tell", das fast schon ein wenig nach dem King Of Pop klingt. Nicht nur wegen den 80er Disco-Verweisen, sondern auch wegen der extrem souligen Stimme, die sich nach oben wagt. In anderen Momenten wiederum etwas weiter unten. So dezent weit die Stimmenlagen reichen, so reich an Verweisen präsentiert sich auch das musikalische Geflecht. Von Klavier, mäandernden Bassläufen, Claps und Beats einer Drummachine hin zum Xylofon und softpornösem Saxophon.
 
Der Retrotouch wird dann zwinkernd durch kurze Scratch-Effekte noch einmal zusätzlich betont, nicht nur auf "Always Let U Down". Auch hier wieder: sensible Pop-Melodien, die sich anschmiegen und dabei Sehnsucht artikulieren. Nicht nur auf "Chosen", das in seiner nächtlichen Melancholie mögliche Lieben heraufbeschwört, sondern auch auf dem Schlusstrack "Time will tell", auf dem Hynes dann "Come into my bedroom" jauchzt. Interessant ist dabei, dass Hynes nie aus einer festgelegten Geschlechtsperspektive heraus zu leiden scheint. Dafür sorgen nicht nur die Duett-Partnerinnen Caroline Polachek oder Samantha Urbani. Verwundbarkeit ist eben keine Geschlechterfrage. So scheint Hynes auch von der Transgender-Kultur aus New York inspiriert zu sein.
 
Oft dreht es sich daher um einzelne Schicksale aus der Großstadt. "Just Another Day On The High Street", wie eben Gast-Rapper Skepta im vorletzten Track sinniert. Vertont klingt das trotz vieler Funk-Referenzen doch nach einem intimen Taxi-Trip nach Hause in der tiefen Nacht. Und die Musik, die man bei so einem Nightdrive hört, wird sowieso die auf der Party überdauern, die man gerade wieder mit gebrochenem Herz verlassen hat. Blood Orange wird zu ersterer für einige dazugehören dürfen.

 

Anspieltipps

On The Line, #9
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Time Will Tell, #11
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You´re Not Good Enough, #2
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Uncle Ace, #3
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It Is What It Is, #5
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