Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 03/2005

Albumcover

Blood Brothers
Crimes

Die Blood Brothers bringen ihr viertes Album heraus, gleichzeitig ihr erstes auf V2Records. Hmm, Skepsis ist wohl nett ausgedrückt für meine Meinung dazu, ist dieses Label doch eher bekannt für distinguierte Popklänge. Doch ich kann erleichtert aufatmen, denn die Blood Brothers haben sich nicht großartig verändert oder angepasst. Unser aller Lieblings Chaos-Band aus dem nordischen Seattle werfen die Bombe, schlitzen die Adern und zerstören mal wieder Musikkonventionen - und das nicht nur mit ihrem letzten Titel "Devastator", dessen programmatischer Name wirklich passend gewählt ist.

Hardcore, Geschrei, chaotisches Gezappele, kranke Pianoklänge, jazzig anmutende Episoden und offengelegte Psychosen sind das Ergebnis von viel gesellschaftlicher Wut, unbändigem Forschungsdrang und Aufmerksamkeitsdefiziten from hell. Das Spiel mit Erwartungshaltungen durch eingestreute, überraschend ruhige Parts oder harmlose Anfänge wurde perfektioniert und zieht sich wie ein running gag durch das Album -vor allem, wenn man/frau nicht weiß, wie die Blood Brothers in der Regel klingen. "Crimes" bietet jede Menge musikalische Überraschungen durch Stimmungs- und Tempiwechsel, Gegensätze und Brüche, auch wenn das Album ganz allgemein gesehen ein Stück weit bodenständiger ausgefallen ist, als die Vorgänger. Denn selbst vor einem Discohit machen die Brüder mit "My First Kiss At The Public Execution" nicht halt. Die Veränderung lässt sich auch sehr gut als einfache Eingängigkeit beschreiben (natürlich in Grenzen des blutsbrüderischen Kosmos) bzw. das Aufspringen auf den momentan arty-farty-Trendzug der Musikwelt. Doch Vorsicht, waren die Blood Brothers nicht schon immer so? Doch, waren sie. Nur früher bemerkte sie niemand, denn da war diese wilde Kunst noch verkannter... Die Unzugänglichkeit und Brutalität fordert eben eingehende Beschäftigung.

Die allmähliche Aufmerksamkeit der Kritiker und Konsumenten kam dementsprechend auch erst spät mit dem unmittelbaren Vorgänger "Burn Piano Island, Burn" und der erfolgreichen Tour mit Pretty Girls Make Graves im Jahre 2003. "Crimes" hingegen dürfte mittlerweile aber jeden, der sich nicht von komplexen Songstrukturen und gelegentlichen Wutausbrüchen nicht abschrecken lässt überzeugen. Und deshalb lässt sich auch eine wahrscheinlich noch bessere Tour im Frühjahr absehen. Woraufhin mir nur noch zu sagen bleibt: Karten lieber im Vorverkauf kaufen, denn die Blood Brothers sollte man sich live nicht entgehen lassen. Das Sound-Chaos auf Platte wird von dem wahnsinnigen Chaos und unbändiger Spielfreude auf der Bühne nämlich noch einmal getoppt. Die Blood Bothers sind kriminell - kriminell gut.
(Sarah Shokouhbeen, hochschulradio düsseldorf)

Künstler: www.thebloodbrothers.com, Label: www.v2music.de

Anspieltipps

  • Love Rhymes With Hideous Car Wreck #3
  • Devastator #13
  • My First Kiss At The Public Execution #8
  • Trash Flavored Trash #2
  • Crimes #7

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