Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 17/2007

Albumcover

Blonde Redhead
23

Das mittlerweile siebte Studioalbum der New Yorker Band Blonde Redhead trägt zwar den verheißungsvollen Titel „23“, mit Illuminaten und kruden Weltverschwörungstheorien aber haben die Japanerin Kazu Makino und die italienischen Zwillingsbrüdern Amedeo und Simone Pace mal so rein gar nichts am Hut. Die Zahl 23 sei lediglich eine Zahl, die der Band häufig begegne, erklärte Schlagzeuger Simone kürzlich in einem Interview: Sängerin Kazu wohne beispielsweise in einem Haus, das die Nummer 23 trägt. Die Lieblingszahl als Titel für das neue Machwerk - so einfach kann Namensgebung sein.

Genauso einfach ist es aber auch für den Hörer, den Zugang zur neuen Scheibe zu finden. Längst vorbei sind die Zeiten, in denen die Sonic Youth-Zöglinge (damals noch zu viert) ihr Publikum mit verquerten, komplizierten Noise-Melodien überstrapazierten. Konsequent verfolgen Blonde Redhead die Marschroute, die mit den beiden Vorgängern „Melody Of Certain Damaged Lemons“ (2000) und „Misery Is A Butterfly“ (2004) eingeschlagen wurde. Deshalb vorweg: „23“ bietet wieder mal reichlich viel Platz für Popmusik im Breitwandformat. Schon die traumähnliche Klangwelt des unauffällig opulenten Openers und Titelsongs „23“ lädt zum ausgiebigen Akustik-Tauchgang ein. Scheinbar simple Tonweisen, deren Raffinesse sich erst nach dem Einrasten der Repeat-Funktion erschließt, umnebeln das Ohr; das hypnotische, feengleiche Säuseln Kazu Makinos verstärkt die Sogwirkung. Auch die nachfolgenden Tracks „Dr. Strangeluv“ und „The Dress“ setzen auf das gleiche musikalische Pferd, wobei die fesselnde, schwebende Atmosphäre nur geringfügig von ihrer Faszination einbüßt.

Die bittersüße Melancholie zu Beginn schlägt mit „SW“ und „Spring And By Summer Fall“ in ein euphorisches Hochgefühl um, die Trance löst sich ein wenig – manisches Mitwippen steht nun auf dem Programm. Der Einsatz von Synthesizern wird gedrosselt, die bisher bewusst im Hintergrund platzierte Gitarrenarbeit verspürt ihren schrammeligen Höhepunkt und erstmals übernimmt Zwillingsbruder Amedeo den Part am Mikrophon. Der Sound nimmt beinahe tanzbare Indie-Rock-Züge an, doch bevor das Tanzbein überhaupt zum Einsatz kommen kann, rufen gepitchte Gesangseinschübe den hypnotischen Grundtenor ins Gedächtnis. Nach diesem kurzen, aber erfrischenden Ausflug in rockigere Gefilde, knüpft die Platte nämlich an die Tugenden der ersten drei Stücke an - ohne jedoch deren atmosphärische Dichte zu erreichen. Der Sound wirkt klarer, die Beats klingen härter, der anmutige Gesang muss immer öfter durch die Maschine - was zu Anfang organisch harmonierte, bricht langsam, aber merklich auseinander, um im sensibel-fulminanten Abschlusstrack „My Impure Hair“ paradoxerweise doch wieder in Höchstform aufzulaufen. So einfach, wie zunächst angenommen, kommt "23" dann also doch nicht daher. Auch wenn Blonde Redhand nicht mehr die nebulöse Verworrenheit ihrer Gründungsphase an den Tag legen: Easy-Listening klingt definitiv anders. (Patrick Torma, Radio DuE)

VÖ: 13.04.

Band: http://www.blonde-redhead.com | Label: http://www.4ad.com

Anspieltipps

  • Spring And By Summer Fall, Nr. 5
  • Dr. Strangeluv, Nr. 2
  • 23, Nr. 1
  • Publisher, Nr. 7
  • Top Ranking, Nr. 9

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