Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 05/2007

Albumcover

Bloc Party
A Weekend In The City

Knapp zwei Jahre ist her, dass uns Bloc Partys stiller Alarm aufhorchen ließ. Nun laden uns die vier jungen Briten mit ihrem zweiten Studioalbum „A Weekend In The City" in ihre Heimatstadt London ein. Aber nicht zum kleinen, netten Sightseeing-Trip inklusive Erinnerungsfoto vorm Buckingham Palace und anschließendem Touri-Einkaufsbummel durch Camden Town – Nein, was uns erwartet, ist ein berauschend-aufwühlender Abstecher mit verbittertem Blick auf die hässlichen Seiten einer hektischen Metropole...

In den vergangnen zwei Jahren nach dem Release von „Silent Alarm" ist viel passiert – nicht nur dass die Band zuhauf mit Preisen, goldenen Schallplatten und Kritikerlob überschüttet wurde. Bloc Party haben auch die dunklen Seiten des Musik-Business kennen lernen dürfen. Diese kamen besonders nach ihrer Rückkehr von der großen Welttournee nach East London zum Vorschein: Neider und falsche Freunde, Kokain und andere, verlockende Suchtmacher, wilde Partyexzesse – alldem sind Bloc Party überdrüssig geworden. Nicht umsonst heißt es in „Song For Clay (Disappear Here)", dem extrovertierten Opener, „East London is a vampire that sucks the joy right out of me." Die moralische Marschrichtung der Platte wird also gleich zu Beginn manifestiert. Das musikalische Programm bleibt jedoch (vorerst) nebulös, vor allem während des zweiminütigen Singsang-Intros des Openers. Den Auftakt der neuen, lang erwarteten Bloc Party hatte man sich doch etwas anders ausgemalt. Doch dann geschieht es: Abrupt prasseln die Drumsticks nieder und erste Anflüge genial-schrammeliger Gitarrenarbeit bauen Spannung auf, die Beine wollen schon nervös mitwippen....und wie aus dem Nchts aufgetaucht, tönt plötzlich der altbekannte, aber irgendwie doch neue Bloc Party-Sound aus den Boxen.

Erleichterung macht sich breit; der Angstschweiß kann von der Stirn gewischt werden. Doch zum Ausruhen bleibt erst mal keine Zeit. Treibend geht es weiter. Und schließlich werden mit dem zweiten, paranoid anmutenden Track „Hunting for Witches", der sich thematisch mit den Londoner Terroranschlägen auseinander setzt, die letzten Zweifel beseitigt. Schon jetzt ist man sich sicher, dass die vier Briten mit „A Weekend In The City" einen würdigen Nachfolger von „Silent Alarm" geschaffen haben – mit alten und neuen Stärken.

Und die Jungs legen nach: „Waiting For The 7.18" und die vertrackte, aber eingängige Vorabsingle „The Prayer" erweisen sich – allem Zynismus zum Trotz – als potenzielle Tanzflächenfüller. Der heimliche Hit der Platte, „Uniform", kann sogar in Sachen Tanzbar- und Eingängigkeit den Überkrachern „Banquet" und „Helicopter" das Wasser reichen. Zur Mitte der Platte hin schlägt die passiv-aggressive Stimmung dann in bittere Melancholie um; es geht von nun an merklich getragener voran. „Where Is My Home?" fragt Kele Okereke, Frontmann mit nigerianischen Wurzeln. Okereke verarbeitet mit diesem Song den Tod seines Cousins Christopher Alaneme, der von rechten Köpfen niedergestochen wurde. Der Tenor des Albums erscheint zunächst arg trostlos, doch unter ihre Abscheu dem Verwerflichen gegenüber mischen Bloc Party - nicht erst im wunderschönen Abschlusstitel „SRXT" - eine ordentliche Portion Hoffnung. Suizidgedanken werden, auch wenn sich die
Briten thematisch hiermit beschäftigen, definitiv nicht ausgelöst.

Die Frage, ob denn nun ein erwartungsgemäß gelungener Nachfolger oder besseres, zweites Album vorliegt, lässt sich nur schwer beantworten. Fakt ist: „A Weekend In The City" ist eine grandiose Platte und dürfte sowohl Bloc Party-Fans als auch diejenigen, die es noch werden wollen, gleichermaßen aus den Latschen hauen. Vielleicht fehlt der Platte der ganz große Hit, wie er auf dem Vorgänger zu finden war; dieses kleine Manko bügelt die Platte durch ihre organische Homogenität wieder aus. Jeder Song passt ins Konzept. Ein kalkuliertes Konzeptalbum also? Nein, sondern ein sehr persönliches und in jeder einzelnen Sekunde authentisches Album. Man kann sicher sein: Raffinierte Melodien, liebevoll und akribisch ausgearbeitete Elektroanleihen, geschickt platzierte Drums und der Ausnahmegesang Okerekes bescheren uns gleich zu Beginn des Jahres ein Machwerk, das Ende 2007 in sämtlichen Polls führender Musikblätter wiederzufinden sein wird. (Patrick Torma, Radio DuE)

VÖ: 02. Februar 2007

Band: http://www.blocparty.com | Label: http://www.v2music.de

Anspieltipps

  • The Prayer, Nr. 4
  • Hunting For Witches, Nr. 2
  • Kreuzberg, Nr. 8
  • Uniform, Nr. 5
  • Where Is My Home, Track 7

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