Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 03/2004

Albumcover

The Black Cherries
The Black Cherries

Es gibt so einige Weisheiten im Leben, die sich wie Allgemeinplätze anhören, sich aber immer wieder bestätigen. So sieht man sich immer zwei Mal im Leben und Geschichte spielt sich in Zyklen ab – will sagen alles kommt wieder. Und das passt im Moment auf das Rock-Business wie Arsch auf Eimer! So sind doch die meisten Bands im Moment retro as retro kann be. Seien es "Jet" aus Australien, die gehypten "Strokes" aus New York oder, oder, oder.
Und auch Deutschland, hier kommt ja alles bekanntlichermaßen etwas später an, zieht in diesem Trend mit. So hat Kiddo Records, das „Baby“ von Yo Mama, das Debütalbum des deutschen Duos The Black Cherries auf den Markt geschmissen. Und kaum ist dies geschehen wird von den „deutschen Strokes“ gesprochen. Das mit dem „The“ vorm eigentlichen Namen haben sie ja schon mal hingekriegt. Aber das ist mittlerweile kein Garant mehr für Verkaufszahlen. Rein erster-Eindruck-technisch würde ich dem auch unter Vorbehalt zustimmen, hat man doch mit Stimmverzerrer und krachigen Gitarren nicht gerade gespart. Auch mit der einer richtigen Rockerattitüde kann man aufwarten: so ist auf der Rückseite des pinken (!!!) CD-Digipacks zu lesen: „Fuck the system“ (also auch so was kommt wieder), aber auch der Nachschub: „be romantic“. Also was soll man davon halten?
Also Anlage aufdrehen und Kopfnicken.
Textlich bleibt es doch sehr klassisch, man singt wütend von den Verflossenen (Kill all the lovesongs) und beschreibt unheimlich unsubtil, dass Gefühl des Verlassenwerdens und die Wut, die man in so einem Moment verspürt: „I wanna be a pistol/ I wanna be a monster/ That goes on to eat and est you up/ oh yeah, I hate everything about you“. Man spielt mit Rockklischees „I wanna be a demonstration/ a rebel“ (Kill all the lovesongs) oder „“I got to excuse this is my generation“ (I`magination).
Aber The Black Cherries versinken dabei nicht in bloßem Zitieren, man drückt allem einen eigenen Stempel auf. So hat man doch alles schon mal irgendwo gehört, aber Pascal Finkenauer und JF Sebastian kombinieren dies auf sehr charmante rotzige Weise mit ihrem Sound aus Gitarrengeschrammel und Electro Drum Pads Sound. So kann man ihnen auch die leicht alkoholisierte Coverversion von „You Are Always On My Mind“ nicht wirklich übelnehmen, eher muss man schmunzeln. Zu offensichtlich ist die vorgeschobene Rockstarhaltung, die sich mit dem pinken Layout der CD und dem Motto „be romatic“ bricht.
Rotzige Gitarrenmusik also, die sich selbst nicht zu ernst nimmt, aber nicht in alberne Sphären abrutscht. Dieses Album verspricht auf jeden Fall den Frühling zu überstehen und vielleicht hält es auch länger vor, wie Allgemeinplätze halt. (Sandra Zapke, Radio c.t.)

Anspieltipps

  • Monkey Head Koma (#2)
  • I`magination (#6)
  • Kill All The Lovesongs (#5)
  • Always On My Mind (#7)
  • Little Guillotine (#9)

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