Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 48/2009

Albumcover

Biffy Clyro
Only Revolutions

„Evolution statt Revolution“ steht auf ihren Fahnen. Biffy Clyro gehen mit ihrem fünften Studioalbum konsequent den Weg weiter den sie schon 2007 auf „Puzzle“ eingeschlagen haben, die Band bemüht sich um eine größtmögliche Eingängigkeit in ihren Songs. Das soll jetzt aber nicht als ein negativer Kritikpunkt verstanden werden, denn wo andere Musiker sich bei ihren Hörern anbiedern, bewegen sich Biffy Clyro auf eine ausgesprochen clevere Weise in Richtung Pop. Die drei Schotten Simon Neil, James Johnston und Ben Johnston vergessen in keinem Moment wo sie herkommen, und wissen genau, dass es als Songschreiber schon einiges an handwerklicher Fähigkeit braucht, um sich beim Benutzen von großen Gesten, nicht zu überheben.

Stücke wie der hymnische Opener „The Captain“ oder das geniale „Mountains“ leben natürlich von ihrem Pathos, aber kurz bevor es übertrieben und eklig wird, zieht die Band die Notbremse und präsentiert sich als eine trockene, erdverbundene, fast schon simple Rockband. Biffy Clyro setzten ihren Größenwahn als Stilmittel ein, ohne dabei in Progrock-Gefilde abzudriften. Dass sie auch die verschachtelten, struppigen und querliegenden Rocker beherrschen, haben sie auf den früheren Werken bewiesen. Als eine der wenigen Ausnahmen in der jüngeren Rockgeschichte punkten Biffy Clyro nun mit dem fünften herausragenden Werk in Folge. Wahrscheinlich muss man hierfür auch Produzentenlegende Garth „Gggarth“ Richardson (L7, Melvins, The Jesus Lizard, Gallows, Sick Of It All) danken, der es wie beim Vorgänger „Puzzle“ schafft, die Extreme der Band – Mitsingtauglichkeit und ruppige Riffs -
so unter einen Hut zu bringen, dass es für den Konsumenten nachvollziehbar bleibt. Die Songs auf „Only Revolutions“ wirken auf den ersten Blick über den ganzen Raum verteilt, die einzelnen Ideen könnten teilweise nicht gegensätzlicher sein und manchmal fällt es schwer ein solches Wechselbad an Gefühlen in einem Durchlauf zu verarbeiten..

Der auf dem von Mark Z. Danielewski verfassten Roman „Only Revolutions“ basierende Albumname ist fast mit einem Augenzwinkern zu verstehen, denn ist Album der Schotten gewiss keine Revolution in der Rockgeschichte. Aber eine Evolution für die Band, denn sie verstehen es sich auf Pop-Terrain zu bewegen ohne ihren Status Quo als Alternativ-Rocker zu verlieren. Gekonnt haben sie ein Album komponiert, das durch Wechselhaftigkeit brilliert, den Zuhörer teilweise verwirrt und ihn am Ende doch verstehen lässt, worum es geht- das Auf und Ab. So laden sie Josh Homme in „Bubbles“ zu einem Gitarren-Battle par excellence ein, aber bereits im nächsten Song „God & Satan“ stimmen sie leisere Töne an ( „I talk to God as much as I talk to Satan because I want to hear both sides“). Vom druckvollen „That Golden Rule“ zum jugendformat-tauglichen Radiopopper in zwei Songs.

Im Grunde genommen ist es ein Album über das klassischste aller Songthemen, denn Frontmann Simon Neil hat im vergangenen Jahr geheiratet. Die zwölf Songs reflektieren die Höhen und Tiefen dieser Fahrt in der Achterbahn genannt „Liebe“. Man muss Kompromisse eingehen und akzeptieren, dass es immer eine Kehrseite der Medaille gibt. James Johnston sagte darüber, dass es immer nur um die Revolutionen im Leben und in der Liebe geht. Biffy Clyro möchten also nicht als Pioniere der Rockmusik verstanden werden. Aber sie verarbeiten ihre persönlichen Revolutionen so gekonnt, dass sie als Künstler wachsen. Evolution rocks.
(Lars Koch, hochschulradio düsseldorf)

VÖ: 13.11.2009

http://www.biffyclyro.com | http://www.warnermusic.com

Anspieltipps

  • MO: „The Captain“, 1
  • DI: „That Golden Rule“, 2
  • MI: „Mountains“, 6
  • DO: „Bubbles“, 3
  • FR: „Cloud Of Stink“, 10

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