Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 27/2016

Cover: Beyond The Wizard's Sleeve - The Soft Bounce

Beyond The Wizard's Sleeve
The Soft Bounce

Was lange währt und so: Nach neun Jahren veröffentlicht das Psych-Indierock-Duo Beyond The Wizard’s Sleeve ihr erstes, richtiges Album. Trotzdem, oder gerade deshalb, klingt es so selbstbewusst und verspielt wie kaum ein anderes Debüt.

Bevor sie sich als Beyond The Wizard’s Sleeve einen Namen gemacht haben, waren Richard Norris und Erol Alkan schon längst Größen im Business. Norris ist Teil der Techno/House-Gruppe The Grid, Alkan ist als DJ bekannt und gründete den Londoner Indie-Club „Trash“ – mit Gästen wie den Yeah Yeah Yeahs, Bloc Party und dem LCD Soundsystem ein geradezu historischer Ort. Unter dem Alkan-geführten Label Phantasy Sound haben Norris und Alkan bereits einige Songs als Beyond The Wizard’s Sleeve veröffentlicht, bisher jedoch nur Remixe und Neuauflagen bekannter Tracks, etwa von Goldfrapp, The Chemical Brothers und Franz Ferdinand. Auf „The Soft Bounce“ finden sich nun elf vom Duo geschrieben Stücke – eingespielt im Band-Gewand von Gitarre, Schlagzeug, Bass und alten, analogen Synthesizern. Beeinflusst wurden die Beiden laut eigener Aussage von Musik der 60er und 70er, vor allem von Psychedelic, Shoegaze und Ambient.

Wie das mit Indie-Rock kombiniert werden kann, erscheint erstmal nicht ganz einzuleuchten – trotzdem gelingt es Alkan und Norris mit Bravour, all diese verschiedenen Facetten zu vereinen, oder sie zumindest koexistieren zu lassen. Wenn der Opener erklingt, schimmern uns in „Delicious Light“ Frauenchöre entgegen, als kämen sie aus einem Paralleluniversum. Was ambient beginnt, geht mit motorischen Drums und wirbelnden Synthesizern schnell in Krautrock-Gefilde über. Die harten Gitarren und Oktavgesänge in „Iron Age“ bringen uns dann endgültig dem Indie näher, ohne die Synthies zu vernachlässigen. In „Creation“ begrüßen uns die 60er mit Easy Listening-Grooves und den bereits bekannten, schwebenden Frauengesängen. Ein bisschen Dreampop gibt’s mit „Diagram Girl“ auch noch an die Hand – als hätten wir in den ersten fünf Stücken nicht schon genug Abwechslung gehabt!

The Soft Bounce zeigt, wie sehr sich die Jungs von Beyond The Wizard’s Sleeve austoben wollten. Die erste Hälfte des Albums weist ein Spektrum an Einflüssen und Genres auf, das man so auf keinem Sampler wiederfindet, zeigt sich dennoch tanzbar und eingängig. In der zweiten Hälfte dominiert dann der Psychedelic und die Vorliebe für Drone und Ambient, wenn in Liedern wie „Tomorrow, Forever“ sieben Minuten lang nur Chöre und Streicher wabern, oder im Spoken Word-Track „Third Mynd“ das Konzept Synästhesie, einem Drogentrip gleich, audiovisuell demonstriert wird.

Beyond The Wizard’s Sleeve haben ein Debütalbum veröffentlicht, dass nicht wie ein Erstlingswerk wirkt. Zu versiert und erfahren sind die Musiker Alkan und Norris; zu klar war die Richtung, die The Soft Bounce einschlagen sollte. Durch den Abwechslungsreichtum des Albums wirkt es aber auch nicht steif oder abgebrüht – eher ist es ein Experiment, das durchaus gelungen ist. Da darf es auch gerne selbstbewusst rüberkommen.

(Sebastian Seifert | CampusFM)

 

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Anspieltipps

Diagram Girl, #5
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The Soft Bounce, #8
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Creation, #3
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Third Mynd, #11
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Iron Age, #2
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