Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 33/2017

Albumcover

Ben Lukas Boysen & Sebastian Plano
Everything

Ben Lukas Boysen und Sebastian Plano komponieren den Soundtrack für ein Videospiel, in dem die SpielerIn alles sein kann: eine Mikrobe, die in einer Pflanze lebt; ein Elefant, der durch die Savanne streift; ein Planet im Weltall. Everything – wie Album und auch Videospiel heißen – ist eine klangliche Reise in die Tiefen unseres Kosmos – klassisch vertont mit Streichern, Harfe, Klavier und Blasinstrumenten.

Opening heißt der erste Track auf EverythingBoysen und Plano führen die SpielerIn musikalisch in ihre neue Umgebung. Es ist ein vorsichtiges Intro untermalt von Klavieranschlägen und Streichern, abwartend und mit viel Raum für Fantasie. Wer das Videospiel Everything nicht kennt, kann sich beim Song trotzdem vorstellen, wie jemand eine ihm unbekannte Welt entdeckt. Ganz anders die letzte Nummer des Albums: Reaching Light klingt durch eine wiederkehrende Melodie vertraut und fröhlich. Die SpielerIn ist angekommen.

Für den argentinischen Multi-Instrumentalist Sebstian Plano ist es die erste Arbeit dieser Art. Ben Lukas Boysen, Produzent, Pianist und Komponist aus Berlin, hat bereits unter dem Namen HECQ Soundtracks für Videospiele geschrieben. Beide kombinieren in ihrer Arbeit normalerweise akustische, klassische Instrumente mit Elektrosounds. Danach sucht man auf Everything ziemlich lange. Lediglich Aalystice ist eine bedrohlich klingende Sequenz in der unter anderem Streicher mit elektronischen Effekten vermischt, die nach verzerrten und verhallten Plätschern von Regentropfen klingen. Ansonsten bleibt es ein Album voll klassischer Musik ohne Refrains und ohne Gesang.

Ziel von Everything ist es, eine Enzyklopädie zu erstellen, in dem die SpielerIn jedes Objekt und jedes Lebewesen im Spiel erforscht. „Everything is seen to be a complex pattern of rhythm“, heißt es im Trailer zum Spiel. Alles ist in Bewegung, alles gehört zueinander etwa der Schmetterling und die Blume, auf die er sitzt. Dazu liefern Boysen und Plano den Rhythmus. Zehn gepresste Tracks hat ihr Album Everything, dazu gibt es weitere 33 Tracks als Download. Dabei ist tatsächlich jeder Song nichts anderes als Hintergrundmusik, das Spielerlebnis steht über dem Hörerlebnis. „Yet, the music never becomes predominant taking the player away from the main experience of being anything“, sagt Sebastian Plano.

Trotzdem könnten Boysen und Plano mit ihrer Hintergrundmusik bekannter werden. Der Trailer zum Videospiel Everything ist elf Minuten lang und geht daher bei Filmkritikern als animierter Kurzfilm durch. Dieser Film hat sich durch einen Preis bei Filmfestspielen für die US-amerikanischen Oscars qualifiziert – mit der Musik von Boysen und Plano.

(Julian Beyer, eldoradio*)

 

Homepage Boysen // Homepage Plano // Soundcloud // Label

 

Anspieltipps

  • Opening #1
  • Winding And Unwinding #3
  • An Infinite Day #5
  • Aalystice #7
  • Reaching Light #10

Archiv aller Silberlinge

radiobar