Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 37/2004

Albumcover

Ben Kweller
On My Way

„Früh übt sich, wer ein Meister werden will.“ Nirgendwo passen abgedroschene Weisheiten besser, als die genannte auf Ben Kweller. Bereits als Kind spielt er Gitarre und Klavier und mit acht Jahren schreibt er eigene Songs. Ein Jahr später gewinnt sein Demo den Songwriting-Contest des Billboard Magazins, es folgen etliche Highschool-Bands, mit siebzehn ein UK Top 40 Hit, aber trotzdem will es mit dem musikalischen Durchbruch nicht so recht klappen. Also zieht Ben mit zwanzig von Texas nach Brooklyn, drückt die geistige Reset-Taste und besinnt sich auf das zurück, was er am besten kann: Einfache, schnörkellose Songs schreiben, die sofort ins Ohr gehen und da so schnell auch nicht mehr raus wollen. Parallelen zu Adam Green fallen einem da ein und nicht ganz zufällig sind die beiden auch gut befreundet. Und tragische Geschichten von alten Indie-Helden, den Lemonheads mit Evan Dando, der erst hochgejubelt wurde und später, vom Drogenkonsum gezeichnet, in New Yorks Fußgängerzone klampfen musste – auch er ein Freund Kwellers. Dieser beschreibt sich allerdings eher als grundsolide, hat bereits geheiratet und fühlt sich fernab vom Rockstarleben nur der Musik verpflichtet.

Und gleichzeitig grenzt er sich mit seinem zweiten Solowerk „On My Way“ auch inhaltlich von der Indie-Rock-Tradition ab. Das Album strotz nämlich nur so vor Energie und Optimismus, ohne jedoch aufdringlich zu wirken. Während das Erstlingswerk "Sha Sha" von Verunsicherung und Einsamkeit im großen, hektischen New York geprägt war, merkt man, dass Ben Kweller sich mittlerweile wohlfühlt im Big Apple und dies auch nicht verstecken will. Und wenn man diese Intensität hört und aufsaugt, dann kann man sich kaum vorstellen, dass damit noch nicht einmal die extremsten Emotionen ausgedrückt wurden, denn Kweller betont, er könne überhaupt keine Songs schreiben, wenn er total depressiv oder total glücklich ist.

Sowieso. Wer erst einmal beginnt, sich auf die Texte zu konzentrieren, wird schnell merken, dass Kweller kein Kind von Traurigkeit ist. Mit viel Witz erklärt er sein Leben und gleichzeitig nimmt man ihm die Naivität ab, die in seinen Lyrics manchmal herauszuhören ist - schließlich ist der Kerl noch keine 25 und New York allein immunisiert einen auch nicht gegen alle Tücken des Lebens. Und überhaupt: Selbst wenn er den Refrain einfach nur mit Lalalas füllt, dann ist da immer noch die Musik, neben der alles andere nur noch inszeniert wirken kann.

Was bleibt zu sagen? Hoffentlich bleibt er trotz der internationalen Medien-feiern-Ben-Kweller-ab-Bewegung auf dem Erdboden und schlägt nicht Dandos Weg ein. Hoffentlich macht er einfach nur das, was er am besten kann: Schöne Songs schreiben. Denn wie heißt es doch so schön? Schuster bleib bei deinen Leisten...

(Dominik Jozic, hochschulradio düsseldorf)

Artist: www.benkweller.com
Label: www.rcarecords.com

Anspieltipps

  • The Rules (Track 5)
  • Believer (Track 9)
  • Living Life (Track 7)
  • My Apartment (Track 3)
  • Hear Me Out (Track 10)

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